Benneckenstein l Vom 3. bis 15. August erwartet die Besucher der Waldbühne bereits zum vierten Mal eine gehaltvolle Mischung aus Klassikern, zeitgenössischer Dramatik, Musik, Tanz sowie Theater für junges Publikum.

Bekannte Künstler

Janek Liebetruth, künstlerischer Leiter des Festivals, verspricht spannende und anregende Theatermomente für jedermann mit national und international bekannten Künstlern. „Fremde neue Welt“ sei natürlich ein Hinweis auf den britischen Schriftsteller Aldous Huxley. „Mit dem Motto beziehen wir uns direkt auf die Wahrnehmung der älteren Generation, die oftmals mit dem technologischen und soziologischen Fortschritt nicht mithalten können. Viele Senioren fühlen sich sozial an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Die Fremdheit in dieser neuen, technologiegestützten Gesellschaft wird für sie immer allgegenwärtiger. Damit setzen wir uns auf der Bühne ganz bewusst provokativ auseinander“, so Liebetruth.

Das Programm des Festivals wird, wie in den Vorjahren auch, wieder von zwei Highlights getragen. Beide Stücke wurden als Eigenproduktionen direkt für das Festival erarbeitet. Auf dem Programm stehen eine Inszenierung von William Shakespeares „Der Sturm“ und die Inszenierung „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind. Sie werden im Laufe des Festivals mehrfach auf der Freilichtbühne gespielt.

Kluft zwischen Alt und Jung

Die ausgewählten Stücke sollen die Kluft zwischen Alt und Jung thematisieren. Shakespeares „Sturm“ beispielsweise wird symbolträchtig in ein Altersheim als Exilort für Prospero gesetzt. Stellvertretend für die ältere Generation, die die Taten der jungen Generation nicht mehr versteht. Regisseur Janek Liebetruth erarbeitet mit dieser Inszenierung eine auf das Festivalthema bezogene eigene Fassung des Stückes von Shakespeare für sieben Schauspieler und Schauspielerinnen, die sich auf die wesentlichen Handlungsstränge konzentriert. Dabei wird eine klassische und eine moderne Übersetzung des Stückes miteinander verwoben, um die Reibungsfläche zwischen den Generationen zu vergegenständlichen.

Die Inszenierung erweitert den Familienkonflikt um einen Generationen- und Geschlechterkonflikt. Durch die Einbeziehung mehrerer Sparten der darstellenden Künste u.a. mit Videoprojektionen wird das „Magische“ des Originalstückes für die Zuschauer sichtbar. Die Hauptrollen spielen Angelika Böttiger (Prospera), Gerrit Neuhaus und Jan Hasenfuß.

Prüde Sexmoral

Zweiter Höhepunkt der Spielzeit wird zweifellos Frank Wedekinds (oder Calis) „Frühlingserwachen“. Es galt vor 120 Jahren als „unaufführbares Skandalstück“. Thematisiert wird darin vor allem das Missverständnis der Jugend gegenüber dem Alten, Früheren. Der damals erst 26-jährige Autor wagte, was unmöglich schien: offen thematisierte sein Erstlingswerk das zerstörerische Potenzial der prüden Sexualmoral in Zeiten der wilhelminischen Gesellschaft.

Angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen erhält Wedekinds Drama völlig neue Dimensionen der Schlagkraft. Unter der Regie von Catharina May spielen Helena Sigal, Karl Schaper und Sven Matke die Hauptrollen.

Musikalische Untermalung aus Wernigerode

Zu weiteren Höhepunkten in den beiden Festivalwochen gehört auch in diesem Jahr ein Gastauftritt des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode. Unter dem Motto „Jahreszeiten“ spielen die Musiker unter der Leitung von Musikdirektor Christian Fitzner Stücke von Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ (Frühling, Sommer, Herbst) und Astor Piazzollas „Las Cuatro Estaciones Porteñas“ (Frühling, Sommer, Herbst). Solistinnen sind Liv Migdal und Alexey Naumenko (Violine).

Die Besucher der insgesamt 30 Veranstaltungen erwartet also auch in diesem Jahr ein Genre-Mix aus Schauspiel, Musik und Tanz, interessante Workshops, ein buntes Kinderprogramm und mehr. „Unsere Gäste können sich auf eine faszinierende Symphonie nahezu aller Gattungen der darstellenden Künste freuen“, verspricht Liebetruth.