Ein Blick auf das Festivalprogramm

„Vorabend“: 27. Juli, 19.30 Uhr, Hotel Behrens, Haldensleben, Johannes Klumpp (Viola) und Mitwirkende des Akademieorchesters

Akademieeröffnung: 28. Juli, 19.30 Uhr, Schloss Hundisburg, Schlossscheune, mit Rolf-Dieter Arens (Klavier), Youngkun Kwak (Violine), Jonathan Weigle (Violoncello)

Konzert bei Kerzenschein: 29. Juli, 21 Uhr, Hauptsaal Schloss Hundisburg, mit Geneviève Tschumi, Tolman Albrecht und Mariam Batsashvili

Das Besondere Konzert: 31. Juli, 19.30 Uhr, Schinkel-Simultankirche, Althaldensleben, mit „Yxalag“

Gesprächskonzert: 1. August, 17 Uhr, Schloss Hundisburg, Scheune, Akademieorchester

Jazznacht: 2. August, 19.30 Uhr, Technisches Denkmal Ziegelei, mit dem Trio Django Deluxe

Abschlusskonzerte: 4. und 5. August, jeweils 19.30 Uhr, Schloss Hundisburg, Schlossscheune, 6. August, 17 Uhr, Nicolaikirche Oschersleben, Akademieorchester und Herbert Schuch (Klavier)

Kartenbestellung unter 03904/44265

Sie konzertieren in Innsbruck, München, Berlin. Sie haben ausreichend zu tun. Warum reisen Sie alljährlich nach Hundisburg und dirigieren dort ein Orchester auf Zeit?

Weil die Arbeit mit jungen Menschen Spaß macht und weil sie auf allerhöchstem Niveau Musik zu machen. Wer in diesem Orchester spielt, ist bis in die Haarspitzen motiviert. Alle sind auf Hochleistung aus. Was kann einen Dirigenten glücklicher machen als solch ein Vollgas-Ensemble?

Wie viele Bewerbungen hatten Sie?

Etwa 300.

Sie mussten viele ablehnen bei 55 Plätzen im Orchester.

Ja. Wir brauchen beispielsweise nur drei Flöten für die ausgesuchten Stücke, hatten aber 30 Bewerber. 15 von ihnen waren so gut, dass wir sie gern eingeladen hätten. Wir haben ein Luxusproblem. Das war schon anders. Als ich 2007 als Dirigent hier anfing, hatte sich kein Kontrabassist und nur ein Fagottist beworben. Ich musste damals noch rumtelefonieren. Das ist längst nicht mehr nötig.

Welches Durchschnittsalter hat das Akademie-Orchester in diesem Jahr?

25, das ist schon relativ alt. Wir haben auch zwei 19-Jährige, aber die meisten Teilnehmer sind am Ende ihres Studiums und stehen am Beginn einer jungen Karriere.

Was macht für junge Musiker den Reiz aus, in Hundisburg zu spielen?

Es ist wichtig, Orchesterpraxis zu sammeln. In Deutschland gehört das schon recht gut zur Ausbildung, in anderen Ländern aber nicht. Man wird solistisch ausgebildet, soll dann aber in einem Orchester bestehen. Ohne Erfahrung fliegt man schnell durchs Probejahr.

Das ist der professionelle Aspekt. Es gibt neben der außergewöhnlichen Atmosphäre in Hundisburg auch noch den sozialen Aspekt. Hier lernt man Gleichgesinnte aus anderen Ländern kennen.

Sie nennen es Völkerverständigung in Deutschlands Mitte. Ist das nicht etwas hochgegriffen?

Überhaupt nicht. Wir haben jetzt Musiker aus 19 Nationen. Wenn dann ein spanischer Geiger und ein französicher Bratschist, ein polnischer Cellist und ein russischer Trompeter zusammen spielen, müssen sie unter sich wirklich eine Verständigung schaffen. Man lebt gemeinsam, man arbeitet gemeinsam. Ich finde, hier wird Völkerverständigung gelebt.

Sie haben die außergewöhnliche Atmosphäre angesprochen. Was ist das Besondere?

Es sind die Orte. Schlossscheune, Saal, alte Ziegelei, der Barockgarten. Überall gibt es eine große Nähe zwischen Musikern und Publikum. Und wenn es keine Probe und keinen Auftritt gibt, kann man sich einfach auf die Wiese legen und in den Himmel schauen. Das alles macht das Hundisburg-Virus aus.

Da Sie zum elften Mal hier sind: Hat es Sie auch befallen?

Ja. Unbedingt. Wohl auch, weil ich eine große Wertschätzung spüre für das, was wir hier machen. Ich denke, die Menschen vor Ort haben das Gefühl, dass Hundisburg ein Festival ist, das nicht über den Wolken schwebt. Und trotzdem machen wir es mit einem großen Ernst.

Apropos Nähe zum Publikum. Dafür stehen Ihre Wandelkonzerte. Sind sie deshalb immer ausverkauft?

Sicherlich. Die unkonventionelle Konzertform wird geschätzt. Die Gäste können Musik an immer neuen, verschiedenen Orten entdecken. Wir bieten in diesem Jahr schon einen dritten Durchgang an.

Im 25. Jahr der Akademie lebt der Meisterkurs wieder auf. Wie wichtig ist er?

Er war anfangs integraler Bestandteil der Akademie, weil es bei uns ums Lernen, ums Weiterkommen geht. Der Meisterkurs kostet aber Kraft und Geld. Das wir ihn jetzt aufleben lassen, freut mich sehr. Geladen haben wir das Armida Quartett, das gerade in Europa Karriere macht und hier bei uns vier junge Streichquartette unterrichten wird.

Planen Sie im Jubiläumsjahr sonst noch Neues?

Wir haben mit dem Konzert bei Kerzenschein ein neues Format. Wie früher wird bei Kerzenlicht musiziert, wenn es spätabends dunkler wird. Geladen haben wir für diesen Abend neben der Ausnahme-Pianistin Mariam Batsashvili die Sängerin Geneviève Tschumi. Sie ist Siegerin des diesjährigen Internationalen Telemann-Wettbewerbes. Es hat bei uns Tradition, dass wir Gewinner von mitteldeutschen Wettbewerben einladen.

Wenn ein 25-jähriges Jubiläum begangen wird, schaut man gern voraus. Was wünschen Sie sich für die SommerMusikAkademie?

Es gibt die Herberge, die einen Charme unterhalb einer Jugendherberge hat. In die müsste man irgendwann noch einmal Geld stecken, damit die Orchestermusiker nicht mehr zum Duschen in den Keller müssen. Aber insgesamt bin ich glücklich mit der Entwicklung.