Magdeburg l Zum Auftakt der zehnten Magdeburger Domfestspiele gab es eine Neuheit. Das Schiff der Kathedralkirche verwandelte sich in diesem Rahmen erstmals in einen Kinosaal. Über die Leinwand flimmerte der historische Stummfilm „Richard Wagner“ von 1913. Bis zum Sonntag folgen unterschiedliche Angebote. Die Ausrichter setzen wie in der Vergangenheit auf Vielfalt. Konzerte und Lesungen gehören traditionell dazu.

Das kommt an. Stadtmanager Georg Bandarau zeigte sich zufrieden. Es gäbe fast überall noch Restkarten. Lediglich der Solo-Abend mit Sebastian Krumbiegel sei ausverkauft. Das Projekt des Stadtmarketingvereins und der Evangelischen Domgemeinde, zum 800. Geburtstag des Gotteshauses aus der Taufe gehoben, hat sich etabliert. „Wir haben eine gemeinsame Sprache gefunden und können uns zudem auf eine Reihe von privaten Sponsoren verlassen“, sagte Banderau. So gelinge es, ohne öffentliche Förderung auszukommen. Zugleich reiche das Budget aus, um die Preise so zu halten, dass die Eintrittspreise im niedrigen Level blieben. Beim Konzert vom Gerhard Schöne morgen hätten Kinder unter zwölf Jahren freien Eintritt.

Klassischer Kinoabend

Die Eröffnungsveranstaltung jedoch blieb eher still, glich einem klassischen Kinoabend. Die Veranstalter stellten ihr Licht unter den Scheffel. Einführende Worte zu Film und Festspielen fehlten, wären auf jeden Fall angeraten gewesen.

Dass dieser Stummfilm auf dem Programm stand, liegt in durchaus lokalen Bezügen. Richard Wagner hatte 1834 ein Engagement als Musikdirektor der Magdeburger Theatergesellschaft angenommen. Die eine Spielzeit, nach deren Ende das Ensemble aufgelöst wurde, prägte den Komponisten trotz vieler Probleme. Er beschäftigte sich auch theoretisch mit den damaligen Opernaufführungen, veröffentlichte dazu mehrere Texte. Seine Festspiel­idee, die schließlich in Bayreuth verwirklicht wurde, lässt sich bis in die Elbestadt zurückverfolgen.

Erste umfassende Filmbiografie

Mit dem Streifen verfilmte man zu Wagners 200. Geburtstag dessen Leben opulent. Es war die erste umfassende Filmbiografie überhaupt. Sie setzt auf Tempo, in rund 100 Minuten sind zahlreiche Szenen zu seiner Karriere aneinandergereiht. An mehreren Dutzend Schauplätzen agierte Giuseppe Becce als Hauptdarsteller. Es geht auf und ab, Stücke werden gefeiert und wieder verrissen.

Die damaligen Möglichkeiten des noch jungen Mediums sind aus heutiger Sicht einer digitalen Welt reizvoll und spannend. Die Rekonstruktion setzt auch auf die Farbigkeit des Originals, bei dem einzelnen Szenen eine unterschiedliche Einfärbung erhielten. Jedoch ist keine einzige Note Wagners zu hören. Um die hohen Verlagsgebühren zu sparen, griff Becce – der eigentlich Filmmusiker und Musik-Theoretiker war – auf Kompositionen von Haydn, Mozart, Beethoven und Rossini zurück, um erstmals für einen Spielfilm eine Filmmusik zu schreiben.