Berlin l Sie war einer der größten Stars, die der deutsche Film je hatte, und wandelte sich im Lauf der Jahre von der vielumjubelten Sissi-Darstellerin zur tragischen Skandalnudel. So bewertete zumindest die deutsche Öffentlichkeit die in Frankreich als Charakterdarstellerin hochverehrte Romy Schneider. Wie sehr die Schauspielerin darunter litt, in ihrer Heimat immer noch am Sissi-Maßstab gemessen zu werden, erzählt der melancholische Kinofilm „3 Tage in Quiberon“, den Arte am Mittwoch als TV-Premiere zeigt.

Mehrfach preisgekrönt

Der 2018 ins Kino gekommene und mehrfach preisgekrönte Schwarzweiß-Film von Regisseurin Emily Atef schildert ein tatsächliches Treffen von Romy Schneider und ihrer besten Freundin mit zwei deutschen Journalisten in einem bretonischen Kurort an der Küste, bei dem die gesundheitlich angeschlagene und in einer tiefen privaten Krise steckende Filmdiva 1981 einen tiefen Einblick in ihr kompliziertes Seelenleben gewährte. Dabei wird die große Schauspielerin vom Interviewer zu ihrem Ärger immer wieder auf ihre Rolle als süßlich-liebe Kaiserin Sissi reduziert, die sie in den fünfziger Jahren im jugendlichen Alter verkörperte und vor der sie ein Leben lang davonlief.

Charly Hübner als Fotograf

Gespielt wird die damals 42 Jahre alte Romy Schneider von Marie Bäumer, die ihr unglaublich ähnlich sieht und auch die Mimik und Gestik des Filmstars perfekt auf den Punkt bringt – tatsächlich vergisst der Zuschauer schon bald, dass er im Film gar nicht die echte, sondern nur eine Romy-Schneider-Darstellerin vor sich hat. Michael Gwisdek spielt den arroganten und unangenehm manipulativen „Stern“-Journalisten Michael Jürgs, der gemeinsam mit dem Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner) in die Bretagne gereist ist, um Romy Schneider zu interviewen.

Interview mit Hindernissen

Es wird ein Interview mit Hindernissen, das der barsche Jürgs mit den Worten: „Sie sind eine Erregung öffentlichen Ärgernisses“ beginnt und in dem Romy Schneider schon nach einigen Minuten klarstellen muss: „Ich bin nicht Sissi“. Eine Klarstellung, die ihr wenig bringt, denn Jürgs als unnachgiebiger Vertreter der deutschen Öffentlichkeit will sie nicht aus der Sissi-Rolle entlassen. Mit dem Fotografen Lebeck, den sie schon länger kennt, versteht sich die Schauspielerin dagegen besser – ihm gelingen die berühmten Aufnahmen von Romy Schneider beim Tanz mit einem Einheimischen in einer Bar und auf den Felsen am Meer, die damals im „Stern“ erschienen und danach um die Welt gingen.

Birgit Minichmayr hat in diesem Kammerspiel, das zum großen Teil in dem Hotel in Quiberon gedreht wurde, in dem auch das echte Treffen 1981 über die Bühne ging, die undankbarste Rolle: Sie spielt die Freundin Romy Schneiders, die den labilen Filmstar beschützen möchte, aber schon bald realisieren muss, wie schwer das ist. Beim Deutschen Filmpreis wurde „3 Tage in Quiberon“ mit sieben Lolas ausgezeichnet, unter anderem für die beste Regie und die beste weibliche Hauptrolle.

Der Film „3 Tage in Quiberon“ wird am Mittwoch, 20.15 Uhr, auf Arte ausgestrahlt.