Magdeburg l Europa ist seit Jahrzehnten ein Kernthema der deutsch-französischen Beziehungen. Und gerade ist Europawahlkampf. Was liegt da näher, Europa zum Thema der diesjährigen Französischen Filmwoche Sachsen-Anhalt zu machen?

„Blickpunkt Europa“ lautet der Schwerpunkt des kleinen Fimfestivals 2019. Gezeigt werden ab heute Filme an vier Vorführungsorten in Magdeburg, Dessau und Halle. Insgesamt 18 zumeist französische Produktionen stehen bis zum 17. April auf dem Programm. Dazu wird diskutiert. Über europäische Rechtspopulisten, über das Studierendenaustauschprogramm Erasmus, über ein soziales Europa.

Beispielsweise der Film „Das ist unser Land!“ („Chez nous“) des belgischen Regisseurs Lucas Belvaux. Da geht es um Pauline, eine alleinerziehende Krankenschwester im strukturschwachen Norden Frankreichs, die von der aufstrebenden nationalistischen Partei zur Kandidatin für die Bürgermeisterwahlen gemacht wird. Ein Politdrama über Rechtspopulismus, herausgebracht 2017, kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Das sorgte in jenen Tagen für Diskussionsstoff. Und auch in Sachsen-Anhalt soll nun vor der Europawahl darüber diskutiert werden, am Freitag ab 18 Uhr im Magdeburger Campustheater. Erst wird der Film gezeigt, dann folgt das Expertengespräch mit der Journalistin Tanja Kuchenbecker und der Deutsch-Französin Cécile Prinzbach über Rechtspopulismus in Europa. Auch in Dessau und Halle sind Diskussionsveranstaltungen zum Film geplant.

1500 Besucher erwartet

„Viele Themen in der französischen Gesellschaft werden heftig diskutiert und unterscheiden sich inhaltlich nicht viel von den Fragen in Deutschland oder anderswo in Europa“, betont Benjamin Kurc. Er ist Leiter des Magdeburger Institut français, dem Veranstalter der nunmehr 6. Französischen Filmwoche in Sachsen-Anhalt. Im vergangenen Jahr hat die Filmwoche laut Kurc etwa 1500 Menschen in die Kinos gezogen. Er erwartet in diesem Jahr eine ähnliche Besucherzahl.

Tatsächlich haben französische Filme in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder ein großes Publikum gefunden, so etwa die Komödien „Willkommen bei den Sch‘tis“ und „Ziemlich beste Freunde“. Kurc betont dann auch die „bedeutende Rolle“ des französischen Films hierzulande: „Es vergeht kein Monat, in dem nicht eine französische Filmproduktion ihren Weg in das deutsche Kino findet.“ Der besondere Stellenwert des französischen und frankophonen Kinos in Deutschland zeigt sich für ihn darüber hinaus auch mit den zahlreichen französischen Filmfestivals: Neben Sachsen-Anhalt gibt es ähnliche Formate etwa in Dresden, Leipzig, Berlin und Tübingen-Stuttgart.