Wernigerode l Es war eine illustre Gesellschaft, die sich einst im April 1868 in Wernigerode zusammenfand, um einen Verein zu gründen, der sich mit der Geschichte und Altertumskunde des Harzes beschäftigte. Bibliothekare, Archivare und Sanitätsräte waren unter anderen dabei und Graf Botho zu Stolberg-Wernigerode, Onkel von Fürst Otto, einst Vizekanzler unter Bismark. Der Graf, aufgewachsen im Schloss hoch über der Stadt, sammelte Altertümer und skizzierte auf Tausenden Blättern Ansichten von Burgen. Und der Adlige hatte eine Leidenschaft für den Harz.

1868 erschien die erste Harz-Zeitschrift

Diese Leidenschaft teilte man mit den Mitgliedern des frisch aus der Taufe gehobenen Vereins. Graf Botho war Gründungsmitglied und erster Vorsitzender. Heute hat Christian Juranek die Funktion inne. Der Historiker und Geschäftsführer der Schloß Wernigerode GmbH weiß die Verdienste der Gründer zu schätzen. Schließlich trafen die sich nicht nur zum Austausch, von Anbeginn wurde publiziert.

Bereits 1868 kam die erste Harz-Zeitschrift heraus. Zudem gibt es seit 100 Jahren die Reihe der „Harz-Forschungen“. Und es wurden Publikationen zum Harz gesammelt. Die Büchersammlung des Harzvereins zum deutschen Mittelgebirge wurde größer und größer. Diese Vereinsbibliothek wird von der Stadt als Keimzelle der Wernigeröder Harzbücherei bezeichnet, die sich in städtischer Trägerschaft befindet und in diesem Jahr ebenfalls ihren 150. Geburtstag feiert.

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Von Wernigerode bis Nordhausen

Um die Jahrhundertwende zählte der Verein 1000 Mitglieder. Juranek erzählt, dass die Mitgliedschaft damals eine große Ehre gewesen sei. Im Zweiten Weltkrieg lag die Arbeit des Vereins brach, im Osten auch zur DDR-Zeit. Vereinsanschrift war damals Braunschweig. Seit Jahren ist es wieder Wernigerode.

Heute gehören dem Verein 180 Mitglieder an. Publiziert wird immer noch die Forschungsreihe und die Zeitschrift. Interesse an den Druckerzeugnissen gibt es nicht nur in Deutschland. Verschickt werden sie bis hin zur wissenschaftlichen Gesellschaft in Lettland, zur schwedischen Universität Uppsala, zur Universitätsbibliothek Bern, zum Verein für Geschichte Oberösterreichs. 140 Partner hat der Harz-Verein.

Auch jetzt, wenn man sich anlässlich des 150. Vereinsjubiläums zu einer öffentlichen Tagung im Rathaus Wernigerode trifft (22. und 23. Juni) sollen die Ergebnisse der vielen Vorträge bald zwischen Buchdeckeln für jedermann zugänglich sein. Zwei Publikationen seien geplant, sagt Juranek. Kein Wunder, blickt man auf das prall gefüllte Programm. Da ist – heute wie damals – der Blick weit gerichtet. Nicht nur geografisch von Wernigerode bis nach Nordhausen, Goslar und Quedlinburg, sondern auch inhaltlich. Bergbau, Klostergeschichte, Münz- und Geldhistorie, Naturschutz, Sagenforschung und Malerei, Tourismusentwicklung und Entstehung der Kurorte. Es gebe nicht nur antiquarisches Interesse, sagt Juranek. Man schaue auch nach vorn, es gehe um Entwicklungsmöglichkeiten, um Perspektiven des Harzraumes.

„Es war nie ein Wernigeröder, sondern immer schon ein länderübergreifender Geschichtsverein“, betont der Vereinschef. Dass man sich im Jubiläumsjahr in Wernigerode einfindet, ist nur logisch. Dort war die Gründung, dort fand die erste Jahreshauptversammlung statt. Jetzt, 150 Jahre später, finden sich erneut Wissenschaftler, Historiker und Harzinteressierte ein, um über die Region, ihre Geschichte und Kultur zu reden.