Halberstadt l Der 300. Geburtstag von Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) ist Geschichte, auch die Sonderausstellungen, die in sehr unterschiedlicher Weise an den Dichter, Mäzen und Sammler erinnerten. Man habe es geschafft, so resümiert Ute Pott, die Leiterin des Literaturmuseums, den Aufklärer Gleim stärker in unser Bewusstsein zu holen. Noch nie aber wurde er so stark in die Gegenwart gesetzt wie mit dem derzeit laufenden Projekt „Denkräume – aufklärung.mit.machen“.

Das Museum nennt es eine kommunikative Ausstellung zu Fragen unserer Zeit. Sie zieht sich durch das ganze Haus und greift mit Fragen rund um Toleranz, Menschenwürde, Freundschaft Themen der Aufklärung auf. Was ist Würde? Wie viel Konsum verträgt die Welt? Wie geht Tolerantsein wirklich? Wozu brauchen wir Vorbilder? Wie wollen wir arbeiten? Überall im Haus lädt Initiatorin Berit Lacher ein, sich Gedanken zu machen, manches auch kurz und knapp auf Klebezetteln festzuhalten. „Freiheit“ steht da auf die Frage, was einem ein würdevolles Leben bedeutet, „dass man mich respektiert“ und „sich selbst und alle Lebewesen achtet“. Im Raum zu Konsum und Luxus gibt es Installationen und einen Dokumentarfilm, der in Ghana spielt, in jener Region, in die unsere Smartphones, Computer und Drucker illegal verschifft werden. „Auf welchen Luxus willst Du nicht verzichten?“ wird gefragt und man liest die Zeilen: Wasser, Freundschaft, ein Auto, Handy.Zeit steht gleich mehrfach.

Eine Nähmaschine wartet für einen kleinen symbolischen Akt. Man kann sich seine eigene Stofftasche nähen. Wer debattieren will, ist zu Workshops und Gedankenklubs geladen. All die Angebote gibt es noch bis zum 2. April.