München l In Krisenzeiten wenden sich die Menschen den großen Weisen ihres Landes zu. In Deutschland avancierte bald ein lockenköpfiger Virologe von der Berliner Charité zum Corona-Papst. Doch nicht nur Corona-Leugner von Stuttgart bis zur DSDS-Jury fordern schon lange, neben besagtem Christian Drosten auch anderen Stimmen Gehör zu schenken. Anlässlich des 75. Geburtstags eines der größten deutschen Schlagerbarden ist die Volksstimme dem nachgekommen: Eine Chronik der Pandemie im Spiegel von Howard Carpendale-Titeln.

Erinnern Sie sich? Anfang des Jahres, als die großen Nachrichtensender in Bezug auf die Pandemie noch vom „neuartigen" Coronavirus sprachen? Was heute ein wenig nach „Opa erzählt vom Krieg" klingt, beschäftigte damals viele Menschen. In Abwandlung des legendären Carpendale-Songs lautete die allgegenwärtige Frage: „Corona, Corona – who the F*** is Corona?!" Schließlich wohnte das Virus Tür an Tür mit den Menschen – zumindest in Hotspots wie dem nordrhein-westfälischen Heinsberg.

Das schöne Mädchen von Seite 1

Schnell wurde klar: Die Lage ist ernst. Die Infektionsmeldungen häuften sich und „Das schöne Mädchen von Seite 1" war immer öfter Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Viele Menschen waren sich einig, „Auf der langen Reise durch die Nacht" brauchte es vor allem zweierlei: Nudeln und Klopapier. Mit dem ersten Lockdown im März mussten die Menschen selbst kreativ werden. Kneipen zu, Geschäfte zu, Homeoffice –  die Lösung: „Ich geb mir selbst ‘ne Party". Eine andere: „Ruf mich an".

Viele fuhren in diesen Tagen mit der Sorge zur Arbeit, dort mitgeteilt zu bekommen, „Morgen früh wirst du geh’n." Andere – Stichwort: der Wendler – fragten sich, „Wie frei willst du sein?", und warfen gleich selbst das Handtuch. RTL antwortete lakonisch: „… dann geh doch".

Neu auch die Maskenpflicht, um den tückischen Aerosolen Einhalt zu gebieten – doch viele Menschen waren sich sicher: „Du fängst den Wind niemals ein". Und lagen damit nicht ganz falsch, denn nach einer kurzen Beruhigung im Sommer hieß es mit dem Herbst, „Hello again". Die Zahlen schnellten wieder in die Höhe ein erneuter Lockdown stand vor der Tür. „Schade".

Weihnachten bin ich zuhaus

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch", sagte ein deutscher Dichter – nicht Carpendale, aber auch ein Hochkaräter: Hölderlin. Ein Impfstoff sollte kommen. Und während Forscher weltweit fieberhaft an der Entwicklung arbeiteten, saßen die Menschen zu Hause und dachten sich: „Und ich warte auf ein Zeichen". Wenigstens eines ließ sich in diesen Tagen mit Ja beantworten: „Weihnachten bin ich zuhaus" (diesmal wieder Carpendale).

Inzwischen ist der Impfstoff da, „Lebenslänglich" wird uns Corona nicht begleiten. „Heute beginnt der Rest deines Lebens" – hoffentlich also bald ohne dieses verdammte Virus. Wie schön waren sie doch, die Zeiten, als wir uns fragten: Wer zur Hölle ist eigentlich dieses Corona? Alles Gute zum Geburtstag, Howard Carpendale.