Volksstimme-Redakteurin Maria Kurth sprach mit dem 48-Jährigen über seine Show, die Anfänge seiner Karriere und die Nachteile des Promi-Daseins.

Volksstimme: Der Schuster hat bekanntlich die schlechtesten Schuhe. Wie steht es um die Erziehung ihrer eigenen Hunde?
Martin Rütter:
Meine Hündin Emma ist auf hohem Niveau erzogen, aber letztlich ein stinknormaler Hund. Es geht auch nicht darum, den perfekten Hund zu haben. Das Ziel ist nicht, ferngesteuerte Roboter neben sich zu haben, die bei jedem Signal wie totgeschossen umfallen. Schon bei meinem früheren Hund Mina hatten die Leute immer die Vorstellung, dass sich der Hund vom Rütter morgens zum Warm-Up den brennenden Reifen in den Garten schiebt und dreifache Saltos einstudiert. Das ist Quatsch.

Was passiert mit Emma, wenn Sie auf Tour sind?
Emma ist immer dabei. Auch bei den Dreharbeiten – und auf der Tour sowieso. Aber: natürlich nicht auf der Bühne, sondern in bester menschlicher Gesellschaft im Hotel oder auf einer schönen Wiese. Nur an den etwa zehn Arbeitstagen im Jahr, bei denen ich fliegen muss, bleibt Emma bei der Freundin zuhause.

In Ihrem Live-Programm „Freispruch“ sagen Sie, es gibt keine Problem-Vierbeiner. Das Problem ist also das Herrchen?
Oder das Frauchen (schmunzelt). Meist fehlt es beiden an Konsequenz und Disziplin, die unersetzliche Faktoren in Sachen Hundeerziehung sind. Es bedarf fester Regeln, an die sich Mensch und Tier halten müssen. Will der Halter nicht, dass der Hund auf die Couch geht, dann muss er ihm das konsequent vorleben. Heute nein, morgen aber ja- das verwirrt den Hund nur und ist dementsprechend kontraproduktiv. 

Was erwartet die Besucher bei Ihrem Live-Programm – Comedy oder Aufklärung?
Eine schöne Mischung aus Information und Unterhaltung. Ich halte den Leuten vor Augen, an welchem Ende der Leine das Problem liegt und fungiere als „Anwalt der Hunde“, natürlich zum Leidwesen der Menschen. Die Magdeburger werden also jede Menge Spaß haben und viel lachen, aber definitiv auch etwas lernen.

Entertainer und Tierpsychologe – haben Sie erwartet, dass Sie eine derart erfolgreiche Karriere einschlagen werden?
Dass es mal in solche Dimensionen vorstoßen würde, war nicht absehbar. Aber ich habe früh gemerkt, dass in diesem Thema viel Potenzial schlummert. Ich halte seit zehn Jahren Vorträge, angefangen haben wir mit 50 Leuten, dann waren es 300, später 1.000 und jetzt füllen wir Hallen mit bis zu 10.000 Leuten. Meine Sendung „Der Hundeprofi“ läuft seit zehn Jahren. Die Einschaltquoten der letzten Staffel waren so gut, wie noch nie zuvor. Eine tolle Entwicklung, die auch unterstreicht, welch hohen Stellenwert das Thema Hund in unserer Gesellschaft besitzt.

Sie haben Sportpublizistik studiert. Sportjournalismus und Tierpsychologe – wie passt das zusammen?
Richtig, ich wollte eigentlich Sportreporter werden. Und so wie andere Leute neben dem Studium gekellnert haben, habe ich Hunde ausgeführt. Ich habe dann quasi mein Theoriewissen – ich hatte bis dahin so an die 200 Hundebücher studiert – an den Leuten ausprobiert. Da hat sich relativ schnell rumgesprochen, dass wenn dieser Rütter kommt, der Hund dann irgendwie anders ist. Und so im dritten, vierten Semester war für mich klar, ich mach das: ich eröffne eine Hundeschule. Für meine Eltern war das zunächst natürlich kein schöner Moment (schmunzelt).

 

Kommt es oft vor, dass Hundebesitzer die Chance nutzen und Sie um Rat fragen?
Natürlich werde ich häufiger angesprochen, das gehört dazu. Manchmal allerdings auch in unpassenden Momenten. Im Skiurlaub in Österreich tippte mir eine Frau in der Sauna auf die Schulter „Herr Rütter, ich weiß, es ist gerade schlecht, aber ich hätte da mal eine Frage…“ (lacht). Aber ich werte das auch als Anerkennung meiner Arbeit.

Oft vermenschlichen wir unsere Vierbeiner – wieso?
Das basiert auf der neuen gesellschaftlichen Rolle des Hundes. Der Hund ist nicht mehr nur der Helfer bei der Arbeit, wie z.B. der Hütehund. Als Familienhund bringt er Kindern den Umgang mit Tieren näher, bei vielen Singles fungiert er als Partnerersatz. Beim Thema Vermenschlichung muss man differenzieren. So lange der Hund in seiner geistigen und körperlichen Freiheit nicht eingeschränkt wird, ist alles okay. Gefährlich wird’s, wenn der Hund zum Oktoberfest ins Dirndl gezwängt wird. Da hört der Spaß auf, das ist Tierquälerei.

Sind sie als Hundetrainer schon mal an Grenzen gestoßen?
Das passiert, keine Frage. Es ist aber in der Regel nicht so, dass der Hund nicht mehr lernfähig oder reparabel, sondern die Beziehung zwischen dem Menschen und dem Hund derart belastet ist, dass es keinen Sinn mehr macht. Statistisch gesehen sprechen wir von einem Hund pro Jahr.

 

Sie sind 2018 bereits in der Harzland-Halle in Ilsenburg, aufgetreten. Wie war Ihr Eindruck vom hundeinteressierten Publikum im Harz?
Sehr gut. Leider sehe ich aufgrund der Tatsache, dass an den Show-Tagen nicht viel Zeit bleibt, von den jeweiligen Städten immer viel zu wenig. Umso schöner ist es, dass ich an den Abenden von der Mentalität der Menschen etwas aufsaugen kann. 

Welchen Universaltipp haben Sie für Hundebesitzer?
Für das spätere Zusammenleben gibt es drei Kardinalfehler, die man vermeiden sollte. Wie erwähnt, sind das die Vermenschlichung und Inkonsequenz. Ein weiteres Problem ist die mangelnde Beschäftigung. Hunde brauchen körperliche und geistige Auslastung. Und ich habe auch noch einen Tipp für alle, die sich einen Hund anschaffen wollen: Bitte, bitte gehen Sie ins Tierheim! Viele Menschen haben ja den Irrglauben, dass man mit einem Welpen vom Züchter automatisch vor allen Problemen dieser Welt gefeit sei. Das ist Quatsch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Hunde, die eine zweite Chance bekommen, wahnsinnig dankbar sind.

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