Magdeburg l Aufs Spiel setzen kann man auch das Leben oder gar die Zukunft ganzer Generationen. Aber das Leben ist selten Spiel, sondern allzu oft bitterer Ernst. Diesen Spagat zwischen dem derben Spaß und tiefsinnigem, manchmal sogar hintergründigem Humor, den beherrschen die Kabarett-Damen Marion Bach und Heike Ronniger an der Seite von Prinzipal Hans-Günther Pölitz perfekt.

Gemeinsam eilen sie nach dem Motto eines alten Gassenhauers „Das ganze Leben ist ein Spiel“ durch alle Facetten desselben. Vom Klimawandel, dem man am besten durch intensiven Biergenuss beeinflussen kann, wenn man einer Biermarke traut, die für jeden Kasten einen Quadratmeter aufgeforsteten Regenwald verspricht, vom leisen Abschied einer Kanzlerin, die sich beim Ruhestands-Spaziergang durch Templin diebisch darüber freut, wie nach ihrem Abschied allerorten die Messer für den Kampf um die Nachfolge gewetzt werden, bis hin zu einem Gesundheitsminister, der die Lösung für den Ärztemangel in medizinischen Seiteneinsteigern sieht. Was bei den Lehrern richtig ist, kann schließlich bei Kranken nicht falsch sein.

Ronniger mit starkem Auftritt

Heike Ronniger setzt da mit ihrem Solo einen Glanzpunkt, wenn sie als ehemalige Kfz-Mechanikerin mit Schraubenschlüssel und Rohrzange bestens qualifiziert ist, quietschende Gelenke oder verstopfte Blutbahnen wieder in Schuss zu bringen. Ihr „Opfer“ im Publikum musste verbal einiges ertragen, wenn sie ihm diagnostiziert, dass „so lange noch was zuckt, auch Leben drin ist“. Das Publikum war begeistert, auch wenn der Gedanke an den Fleischermeister, der als chirurgischer Seiteneinsteiger propagiert wurde, ein wenig gruselig erschien.

Und dann war da wieder der nachdenkliche Nebensatz von Marion Bach, dass ein Kraftfahrer nach acht Stunden Fahren vorgeschriebene Ruhepausen hat. Ein Arzt im Krankenhaus allerdings nicht. Das ist schon seit vielen Jahren die große Stärke des politisch-satirischen Kabaretts der „Zwickmühle“, dass den Schenkelklopfern meist ein Stück Nachdenken folgt.

Hans-Günther Pölitz ist ein Altmeister auf diesem Gebiet, der alle Mittel kennt, sein Publikum einzufangen. Als mittelstark betrunkener Bestatter mit einer Urne im Arm brennt er ein ganzes satirisches Feuerwerk an Erkenntnissen und Kalauern zum Thema Leben und Tod ab, scheut sich nicht, auch Zuschauer direkt anzusprechen, ob sie nicht durch sozialverträgliches Ableben der großen Sache im Ganzen dienen möchten. Es sei wohl die späte Rache der Ossis, dass sie durch Überlasten der sozialen Systeme den Kapitalismus doch noch in die Knie zwingen wollen. Autsch, da war er wieder, der gekonnt bissige Politsatiriker!

Kurzweiliger Parforce-Ritt

Preiswerte Senkrechtbestattung für Hartz-4-Empfänger oder Kaffeefahrten mit der Schwarzen Flotte folgen. Wohl dem, der angesichts des vom Altersdurchschnitt her eher reiferen Publikums leicht makabre Gefühle verdrängen konnte.

Das Zwei-Stunden-Programm mit Beiträgen von Pölitz, aber ebenso von Olaf Kirmis, Marion Bach und Thomas Müller, war ein durchaus kurzweiliger Parforce-Ritt durch viele Lebens- und Politikfelder, ohne dass ein durchgängiger inhaltlicher Faden notwendig gewesen wäre. Schließlich ist ein Spiel für die Figuren darin von vielen nicht vorhersehbaren Glückszahlen des Würfels abhängig.

Es war das Geschick von Regisseur Michael Rümmler, Kabarettist bei der Herkuleskeule und Schauspieler, die Kabarettnummern so zu arrangieren, dass sie dennoch ein geschlossenes Ganzes ergaben. Und so wurden die Premierengäste mit der Umdichtung eines Liedes der Söhne Mannheims „Warum hören wir nicht hin“ sehr eindringlich und nachdenklich verabschiedet.

Das war Kabarett, dass jedem etwas bietet, weshalb man einen Besuch unbedingt einplanen sollte.

Karten sind noch erhältlich für die Vorstellungen ab 2. Mai; Restkarten für den 17. April.