Magdeburg l In mehr als zweistündigem offenen Schlagabtausch schenken sich Sebastian und Tobias Hengstmann nichts, dem Publikum allerdings Comedy-Spaß mit Denkanstößen.

Unprätentiös stehen die beiden Brüder auf der Bühne. Sie wirken wie Kumpels von nebenan, die, sich am Bierglas labend, über politische und gesellschaftliche Verwerfungen austauschen. Keinesfalls verschwobelt, verblümt oder seiernd, nein, es gibt voll auf die Nuss, eben „Tacheles“. Mitgebracht haben die Brüder wie immer ihren natürlich-spitzbübischen Charme, ihre herrliche Selbstironie, Texte voller Gags, Frotzeleien gegeneinander („Damals warst du noch schlank!“ – „Und du hattest noch Haare auf dem Kopf“) sowie einen Hang, Einwürfe aus dem Publikum dankend aufzunehmen und geschickt kabarettistisch zu verarbeiten.

Fülle von Wortspielereien und Flachskanonaden

Von ersten Augenblicken an schwirrt es im Raum von der Fülle an Wortspielereien und Flachskanonaden. Die Einsicht: Wenn alle laut und unflätig Klartext reden und kundtun, was sie denken, einschließlich Beschimpfungen wie „Humanabfall“ und „Gesichtsbaracken“, bringe das ja nichts. Allerdings: „Laut und unflätig – damit kann man Präsident werden!“ Feststellung: „Trump ist wahnsinnig“. Entgegnung: „So positiv würde ich über den Mann gar nicht reden.“

Kurzzeitig schlüpfen beide in ihre Paraderollen, der verkopfte intellektuelle Erklärer (Sebastian Hengstmann) und der „Machteborjer“ mit einer Sprache in besonderem Dialekt und Satzbau (Tobias Hengstmann). Der Dialog ist äußerst vergnüglich: „Sender und Empfänger sind restriktiv verankert“, sagt der eine. „Das tut sowieso jar nüscht bringen“, sagt der andere. Es folgt das Gespräch quasi Nase und Nase zwischen Politiker und Wähler. „Wir wollen gestalten …“, „Ihr Jestalten da oben!“, „Wir arbeiten im Ausschuss ...“, „Dazu gehört ihr alle!“

Diese kleinen schauspielerisch-komödiantischen Einlagen belohnt das Publikum mit herzlichem Lachen. Davon gerne mehr! Musikalische Einlagen, etwa die Vertonung von Tacheles in Buchstabenreihenfolge erzielen Zwischenapplaus.

Die 14-jährige Amtszeit von Angela Merkel bereitet Schmerzen. Wortwörtlich. Zu heftig mit der Hand auf den Biertisch aufschlagend, stellt Tobias Hengstmann die lange Zeit verzweifelt fest. Und er kann Merkel wunderbar parodieren – mit Raute und Mundwinkeln. Sehr zum Vergnügen des Publikums. Die Groko kriegt ihr Fett weg. Sie sei an allem Missstand schuld. In der größten Krise, in der wirklich allergrößten, habe sie nichts unternommen: bei der Scheidung von Helene Fischer und Florian Silbereisen.

Im zweiten Teil setzen die Kabarettisten ganz auf die Einwürfe des Publikums und fordern es zu Stichworten auf. Risiko! Was soll einem spontan zu „Haushaltsdebatte in Sachsen-Anhalt“ einfallen? Doch sie wären nicht die Spontan-Könige, wenn sie nicht auch hier witzige Gags von Knall auf Fall fabrizieren könnten. Zur Not mit Heinz Erhardt: „Das Reh springt hoch, das Reh springt weit. Warum auch nicht, es hat ja Zeit!“. Ernster geht es zu bei Stichworten wie AfD („zieht Nazi-Kroppzeug an“), Bundeswehr, Brexit und AKK. Zu allem gibt es satirische Anmerkungen vom Feinsten.

Fazit: Zu erleben ist Kabarett-Comedy mit zwei ulkigen Protagonisten. Ihr Publikum verließ nach reichlich Schlussapplaus – beschenkt von einem unterhaltsamen Abend – den Saal.

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