Magdeburg l Auf den ersten Blick könnte man Max Uthoff mit einem Silicon-Valley-Manager verwechseln. Schlank, schwarzer Anzug, schwarze Krawatte, smartes Lächeln, schnelles Reden für Schnelldenker, hintergründiger Humor mit ein wenig Zynismus und punktgenaue Pointen. Sein überaus erfolgreiches Rezept beim Verkündigungsgang durch das „Restaurant der freien Welt“ sind die skurrilsten Vergleiche des ganz alltäglichen Politwahnsinns mit dem scheinbar Undenkbaren. Und das passiert so geschickt, dass dem sich auf die Schenkel schlagenden Publikum so ganz heimlich durch die gedankliche Hintertür die Absurdität dessen, an das wir uns schon so gewöhnt haben, bildhaft deutlich wird.

Keine Zeit zum Nachdenken

Zeit zum Nachdenken gewährt Uthoff nicht. Er ist eine Art politsatirisches Maschinengewehr im Dauerfeuer. Und so, wie er im „Restaurant der freien Welt“ von einem (Stamm)tisch zum anderen geht, um das Aufgeschnappte ad absurdum zu führen, so jagt Uthoff auch durch die Themen. Hier prangert er an, dass alles ein Ende habe, nur die Gier der Konzerne nicht, dort verkündet er, dass es doch das Beste sei, was dem deutschen Volk passieren könne, wenn es keine funktionsfähige Regierung habe. Gabriel sei „too big to fail“ und Merkel wisse als Physikerin mit der Trägheit von Massen umzugehen.

Es gibt Verkündigung

Max Uthoff ist in diesem Programm kein klassischer Kabarettist. Bei ihm gibt es keine Dialoge, nur Verkündigung. Aber die hat es in sich. Seine Kritik am Kapitalismus ist schmerzhaft konkret, messerscharf seziert und ohne jede Rücksicht. Hinzu kommen erstklassige Recherchen, sehr viel Hintergrundwissen und offenbar das Fehlen jeglicher Angst vor Konsequenzen. Sein Rundumschlag gilt allen, ganz gleich, ob es der Lieblingsfeind „Bild“-Zeitung oder die konzertierte Pressemeinung überhaupt, jegliche Religion, Katholizismus, Protestantismus oder der Islam ist.

Bitterböse Anklagen

Der 50-jährige studierte Jurist hält sehr gekonnt die Waage zwischen Pointen des Lachens und bitterböser Anklage, die mitunter sehr persönlich, um nicht zu sagen beleidigend, wird. Seine Sätze zu Markus Söder, designierter Ministerpräsident des Freistaates Bayern, lassen tatsächlich kein gutes Haar an dem Politiker und sind stark vom persönlichen Erleben des Münchners Uthoff geprägt.

Höchst offensiv geht der Künstler auch auf die rund 500 Zuhörer seiner Show zu. „Ich weiß, dass eine große Zahl von AfD-Wählern unter ihnen sitzt“, ruft er in die Reihen, um dann sehr klar seine Meinung zur Aufnahme und Abschiebung von Flüchtlingen zu sagen. Niemand, nicht einmal Straffällige, dürfe man in Kriegsgebiete abschieben, ruft er in die Reihen, aus denen ihm geteilter Beifall entgegenschlägt. Doch das ficht den Künstler nicht an.

Unglaubliche Textmenge

Es gibt vermutlich kein aktuelles Thema, dass Max Uthoff an diesem Abend nicht berührt. Immerhin fast zwei Stunden politsatirisches Dauerfeuer mit einer unglaublichen Textmenge, ohne jegliches Hilfsmittel, allein das ringt Hochachtung vor der Leistung ab. Und immer wieder kommt er bei seinem Rundgang durch das „Restaurant“ wieder auf den Kapitalismus und die scheinbare Selbstkritik der Herrschenden daran zurück, bezeichnet sie als Karnevalskostüm der freien Marktwirtschaft. Selbst die an diesem Tag eröffneten Olympischen Winterspiele bleiben nicht verschont, wenn er böse-bissig verkündet, dass Biathlon den Deutschen besonders läge, denn schließlich gehe es um Schießen und Weglaufen.

Max Uthoff bleibt bei seinen bitterbösen Attacken auf den wachsenden Reichtum zu Lasten der Armen nicht stehen. Er handelt auch. An diesem Abend sind Karten für Hartz-IV-Empfänger durch einen Anteil seiner Gage gestützt. Eine Geste, über die der Künstler selbst allerdings nicht spricht. Und noch eines ist wichtig: Die Magdeburger Zwickmühle war es, die Max Uthoff als Gast in die Landeshauptstadt holen konnte. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit und spricht für das Renommé des Kabaretts.