Magdeburg l Sie sind schon ein drolliges Paar, die eher klein gewachsene Marion Bach und die größer geratene Heike Ronniger. Doch dass die äußerlich ungleichen Damen hervorragend zusammen auf der Bühne harmonieren, ist bis in die hinterste Zuschauerreihe sicht- und spürbar. Unter der Regie von Regina und Hans-Günther Pölitz laufen die Kabarettistinnen zur Hochform auf. Ein Autorenteam um Hans-Günther Pölitz lieferte ihnen kluges, wortwitziges und pointenreiches Futter. Als Komödiantinnen sind sie ohnehin klasse. Die ausgewählte Musik setzt das I-Tüpfelchen. Christoph Deckbar ist nicht nur der schmissig aufspielende Mann am Klavier, sondern gibt auch in ungewohnter Rolle als hin und wieder auftretender Sketch­partner eine gute Figur ab.

„Unsere Welt ist ganz schön plemplem“, stimmt das Duo auf den Abend ein. Merkel und von der Leyen bekommen ihr Fett weg. Die Poggelschnauze aus SA (AfD-Poggenburg) kriegt eine Breitseite ab. Die Behauptung von Ex-Minister Gabriel („mit einem Charme wie Puh der Bär“), die Freilassung von Deniz Yücel sei seinem Insistieren zu verdanken, wird bezweifelt. „Das nennt man dann Diplomatie, Menschenrechte sind nur Parodie.“

Herrlich, die Szene auf dem Kinderspielplatz, in der Marion Bach so gekonnt überzeichnet die überehrgeizige Mutter des kleinen Erasmus gibt. Daneben agiert die kühle, zynische Kinderlose, die sodann ein Lied trällert. „Ohne Brut geht’s mir richtig gut.“ Höchst amüsant. Denn auch der Chef (Deckbar) findet’s gut: „Ohne Brut arbeitet sie gut.“

Einsatzziel Grundschule

Bei dem Dreiergespann auf der Bühne als uniformiertes Einsatzkommando bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Einsatzziel: eine Grundschule. Gegner: höchstgefährlich, bewaffnet mit Pusterohren und Wasserbomben. Ungeheuerliche Forderungen: Schulbus, Schulspeisung und saubere Klos. Kabarett in Reinkultur! Reinpiksen in Missstände – witzig, satirisch, kritisch.

Jede Nummer des Mittendrin-Programms ist nicht daneben, sondern trifft mitten rein in Entwicklungen und Geschehnisse, die die Gesellschaft umtreibt. Die beiden Kabarettistinnen treten als wehrhafte Mitglieder einer Bürgerwehr mit Mistgabel und Baseballschläger auf, die sich darüber beklagen, dass „nüscht“ passiert und feststellen, dass Vegetarier und Muselmanen eine Gefahr für das Abendland seien, essen sie doch beide kein Schwein. Bach und Ronniger beklagen die Abwanderung junger Frauen und die Zweiklassenmedizin. Sie brillieren als steinalte Omas, die sich ausmalen, in 1000 Jahren wieder aufzuwachen. Oh Graus angesichts des Pflegenotstands! Auch mit ihren Karikaturen von asozialen, knallharten Konzernchefinnen machen Ronniger und Bach Eindruck.

Beide setzen in überzeugender Schauspielkunst ihre thüringisch-sächsischen Kodderschauzen ein. Jede Pointe kommt an, jedes Wortspiel verursacht Lachen im Saal (eine Oma zur anderen: „Wenn Dummheit einen Rollator antreiben könnte, müsstest du bergauf bremsen.“). Und dann erst ihre Lieder! In Symbiose mit wundervoll arrangierten Klavierkompositionen umtönen kraftvolle Stimmen das Publikum, ob nun witzige Zeilen gemeinsam, im Loblied auf die Frauen zum Beispiel, oder auch in Soloauftritten, etwa als Marion Bach ein rührender Moment im Lachkabinett Zwickmühle gelingt.

Beide singen am Ende fürs beschwingte Publikum „Neue Frauen braucht das Land1“. Neue Frauen braucht die Magdeburger Kabarettszene nicht. Sie hat zwei von Klasse: Marion Bach und Heike Ronniger.

Für das Wochenende sind Restkarten erhältlich, weitere Vorstellungen: Mai/Juni.