Dresden (dpa) l Das Publikum ist sein Lebenselixier. „Ich lebe mit jeder Vorstellung, jeder Lesung und jedem Tag, an dem ich spiele, auf“, sagt Herbert Köfer. Seit mehr als sieben Jahrzehnten steht er auf der Bühne. Am heutigen Mittwoch wird der Volksschauspieler 95 Jahre alt. Nach wie vor ist er präsent im Fernsehen und steht noch regelmäßig auf der Bühne. Erst kürzlich endete in der Comödie Dresden das jüngste Wagnis: eine Frauenrolle. 33 gefeierte Vorstellungen von „Opa ist die beste Oma“ sprechen für sich.

Köfer und seine dritte Ehefrau Heike sind mit ihrer Komödiantenbühne und dem Kult-Stück „Rentner haben niemals Zeit“ auf Tournee durch Ostdeutschland.

Von Ruhestand will der Senior nichts wissen. „Der Beruf ist mit Schönheit verbunden und die auch anstrengende Arbeit mit Erfüllung“, sagt er. Köfers künstlerische Heimat ist das Theater. 1940 debütierte er nach der Schauspielschule als Kronprinz Friedrich im Stadttheater Brieg (Schlesien). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Rollen und die Bühnen immer größer – bis er bei Wolfgang Langhoff am Deutschen Theater landete. Zwei Jahre später wechselte er dann zum Deutschen Fernsehen, machte Filme und Unterhaltungssendungen. Am 21. Dezember 1952 sprach er beim offiziellen Start des Deutschen Fernsehfunks die Nachrichten – und am 31. Dezember 1991 moderierte er mit der Silvestershow auch dessen letzte Sendung.

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Köfer spielte in Schwänken und Komödien ebenso wie in Drama, Kabarett und TV-Serien, moderierte Unterhaltungssendungen und wirkte in zig Hörspielen und Features mit. Bis in die Gegenwart ist er mit kleinen Rollen präsent: in Filmen wie „Nackt unter Wölfen“, „Kleiner Mann, was nun?“ oder „Wolf unter Wölfen“, in Lustspielen wie „Drei Mann auf einem Pferd“, in Schwänken und TV-Serien wie „Geschichten übern Gartenzaun“ oder „Maxe Baumann“. Mit seinem Opa Paul Schmidt, der Hauptfigur der Reihe „Rentner haben niemals Zeit“ 1978/1979 wurde Köfer Kult – und endgültig zum Publikumsliebling.

„Eine schöne Rolle im Film macht Spaß, auf der Bühne ist es ganz anders, die Bühne ist mein Podium.“ Dabei schätzt Köfer das direkte Urteil. „Man wächst mit jeder Minute, die der Applaus anschwillt.“ Das will er auskosten, so lange die Gesundheit mitmacht. „Nur auf die Bühne getragen werden möchte ich nicht.“

Momentan ist Köfer davon weit entfernt. Seine Energie und Fitness verblüffen sogar die Ärzte. „Ich kann rennen, springen und Treppen steigen.“ Nur das Text-Lernen wird im Alter schwieriger – und morgens braucht er Zeit. „Ich gehe den Tag sehr ruhig an, ohne Hektik.“