München (dpa) l Mit ihren Büchern hat sie Generationen fasziniert. Astrid Lindgrens (1907-2002) Geschichten etwa über die mutige Seemannstochter Pipi Langstrumpf oder über Ronja die Räubertochter prägten die Kindheit von Millionen Menschen. Die Schwedin gehört zu den bekanntesten Kinderbuchautorinnen der Welt. Dagegen war ihre eigene Kindheit ziemlich schnell vorbei. Mit 18 wurde die Schriftstellerin schwanger und musste schon früh auf eigenen Beinen stehen. Der neue Film "Astrid" widmet sich genau diesem Kapitel ihres Lebens.

Die junge Astrid (Alba August) hat ihren eigenen Kopf. Sie erfindet gerne Geschichten, um ihre Geschwister zu unterhalten. Die Familie zeigt sich religiös, der Glaube spielt eine sehr große Rolle. Mutter und Vater betreiben einen Pfarrhof in der schwedischen Provinz. Astrid, ihre kleinen Schwestern und der große Bruder helfen mit.

Eines Tages wird ihr ein Volontariat bei einer Dorfzeitung angeboten. Astrid hatte mit einem Aufsatz in der Schule auf sich aufmerksam gemacht. Sie nimmt die Stelle beim Vater einer ihrer Freundinnen begeistert an. Im Haus des Redakteurs lernt sie das Handwerk des Journalisten – schreibt Reportagen, muss Korrekturlesen und kleinere Aufgaben erledigen.

Astrid will ihrem Lehrer gefallen, der sich erst kürzlich von seiner Frau getrennt hat. Schnell entwickelt sich eine Affäre zwischen den beiden, die nicht folgenlos bleibt. Astrid wird schwanger und muss dadurch ziemlich schnell erwachsen werden. Das Kind will sie jenseits ihrer kleinen schwedischen Heimat auf die Welt bringen. Sie lässt sich während der Schwangerschaft in Stockholm zur Sekretärin ausbilden – weit weg von ihrer Familie und den Menschen, die sie kennt.

Astrid wird gespielt von Newcomerin Alba August, die man bisher aus der Netflix-Produktion "The Rain" kennt. Die Schauspielerin verkörpert auf eine subtile Art eine selbstbewusste junge Frau, die keine Angst hat, sich jenseits der gesellschaftlichen Konventionen zu bewegen und ist ihrer Zeit voraus. Gleichzeitig kämpft sie um Anerkennung für ihr Kind. Ihren Sohn musste sie nach der Geburt bei einer Pflegemutter abgeben, will ihn aber bei sich haben.

Das abrupte Ende von Astrids unbekümmerten Jahren inszeniert Regisseurin Pernille Fischer Christensen mit sehr viel Liebe zum Detail. Sie zeichnet den Weg der Autorin mit vielen Facetten nach. Die Filmbiografie dreht sich nicht nur um die Affäre mit einem viel älteren Mann, sie wirft auch ein Schlaglicht auf die Beziehung zu Astrids Familie und die Normen der damaligen Gesellschaft. Lindgren-Fans werden sicher auf ihre Kosten kommen – auch wenn der Film keine leichte Kino-Kost ist.