Von Uwe Kreißig

Magdeburg l Es gibt Filme, denen die Kritik nie eine historisch-gesellschaftliche Bedeutung zusprechen würde, die aber Teil des kollektiven Gedächtnisses werden. Die Erfolgsstreifen „Die Fete“, die in zwei Teilen in den Achtzigern liefen, gehören für viele Ostdeutsche zu dieser Gruppe. In beiden Streifen spielte Claude Brasseur den Familienvater. Der französische Schauspieler starb gestern im Alter von 84 Jahren.

Brasseur, der 1956 sein Filmdebüt gab, gelang es vor allem durch sympathische, immer glaubwürdige Auftritte, eine lange Karriere aufzubauen. Er arbeitete mit den Besten seines Fachs, darunter mit Regiegrößen wie Constantin Costa-Favras, Jean-Luc Godard, François Truffaut oder Roger Vadim. Er spielte an der Seite der Superstars des französischen Kinos wie Brigitte Bardot, Jean-Claus Brialy, Eddie Constantine, Bruno Cremer, Sami Frey, Louis de Funès, Anna Karina, Michel Piccoli oder Michel Serrault.

Anfang der Neunziger erhielt seine Karriere einen Knick, doch der gealterte Brasseur wurde wieder viel gebucht. In insgesamt 110 Filmproduktionen wirkte er mit.

In starker Erinnerung bleibt er mit dem Krimi „Eine Männersache“. Dort spielt er einen Kriminalkommissar, der schließlich feststellen muss, dass sein Freund (Jean-Louis Trintignant) in der Alte-Männer-Rennrad-Trainingsgruppe falsch spielt. Im Claude-Sautet-Film „Eine einfache Geschichte“ gab er an der Seite von Romy Schneider einen unsicheren Mann, der seiner Partnerin keine Zukunft mehr bieten kann.

Unvergesslich wird er aber als Vater und Zahnarzt François Beretton aus den beiden „Fete“-Streifen bleiben. Die Filme sind schon alt und dennoch zeitlos geblieben. Claude Brasseur hat einen großen Anteil daran.