Magdeburg l Die Karriere des gebürtigen New Yorkers, der aus einer jüdischen Familie stammt, verlief bilderbuchmäßig. Nach Jobs als Gagschreiber steigt Woody Allen bereits 1962 zum Drehbuchautor auf. Mit dem Film „Was gibt’s Neues, Pussy?“, den Clive Donner dreht, hat er bereits 1965 einen Hollywood-Erfolg. Vier Jahre später kommt sein Erstling „Woody der Unglücksrabe“ in die Kinos. Mit den Nachfolgern „Bananas“ und vor allem mit der Groteske „Was sie schon immer über Sex wissen wollten, aber niemals zu fragten wagten“ (1972) wird Allen schon in jungen Jahren weltweit zur Filmikone.

Es sind Komödien im besten Sinn, deren Kern ganz einfach ist. „Wir alle wissen, dass das Leben grausam und traurig ist. Es ist überflüssig, das auch noch im Kino zu zeigen“, klassifizierte die tschechische Regielegende Jiří Menzel diese Art von Filmen.

Es folgen Meilensteine der Kinogeschichte wie „Der Stadtneurotiker“, in dem Allen seine Liebe zum New Yorker Stadtteil Manhattan verarbeitet. Das erste Mal kommt er 1980 mit „Stardust Memories“ in die Kritik. Sein bis dahin bester Film, eine Hommage an Federico Fellinis „Achteinhalb“, weist einen entscheidenden Makel auf. Allen macht sich in dem Streifen, für den er eine Starbesetzung zusammengerufen hat, wie es für seine Filme typisch werden sollte, auch über die Verehrung durch sein Publikum lustig. Er muss zurückrudern und gibt Interviews, die er lange verweigerte, zur Entschuldigung.

Die Wogen glätten sich wieder. „Hannah und ihre Schwestern“ und „Eine andere Frau“ werden ernste Filme; sie sind eine Hommage an sein Vorbild Ingmar Bergman. Unabhängig von Hollywood schreibt er die Drehbücher und führt Regie. Der Ruf, in einem Allen-Film mitspielen zu dürfen, ist für Stars aus Hollywood und Europa gleichermaßen ein Ritterschlag.

„Verbrechen und andere Kleinigkeiten“ von 1989 wird Allens künstlerischer Höhepunkt. Inzwischen ist seine Lebensgefährtin Mia Farrow für jeden Film in der Hauptrolle gesetzt. Doch 1992 kommt es zum Skandal: Sie findet Nacktaufnahmen, die Allen von seiner Stieftochter Soon-Yi gemacht hatte. Farrow trennt sich und macht die Geschichte publik. Später folgen Missbrauchsvorwürfe seiner Adoptivtochter Dylan. Vor Gericht wird das nie bewiesen, doch Allens Ruf ist dauerhaft ruiniert.

Allen heiratet Soon-Yi, sie adoptieren zwei Kinder. Er dreht weiter jedes Jahr mindestens einen Film. 2013 kochen die Missbrauchswürfe gegen Allen wieder hoch. Dieses Mal stellt sich sogar sein leiblicher Sohn Ronan Farrow gegen ihn.

Es gibt nur Verlierer in diesem endlosen Medien- und Justizstreit, die Allens riesiges Werk, zu dem auch Bücher und jahrzehntelange Auftritte als Jazzklarinettist gehören, dauerhaft überschatten werden. Das Leben ist eben doch nicht so, wie es Allen einen schmierigen Fernsehproduzenten in „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“ sagen ließ: „Komödie ist Tragödie plus Zeit.“ Es scheint umgekehrt zu sein.