Magdeburg l Für den Aufbau einer soliden Hollywood-Karriere braucht man den entscheidenden Film: nicht unbedingt einen „Blockbuster“, aber auch keine Schnulze, etwas Solides, aber nicht zu gut. Bei den folgenden Rollen sollte irgendwann ein Leinwandfest dabei sein, in dem man alle seine Vorzüge aufzeigen kann. Ethan Hawke hatte dieses Glück und offenbar auch einen fähigen Agenten: Mit dem „Club der toten Dichter“ wurde er 1989 bekannt, mit „Gattaca“ (1997) wird er noch für viele Jahre im Gedächtnis der Cineasten verbleiben. Heute wird Hawke 50 Jahre alt.

Für eine Filmkarriere brachte er viel mit. Gutes Aussehen, aber dennoch kein Posterboy, künstlerisch ambitioniert, doch wiederum nicht zu exaltiert in seinem Spiel, um in unbedeutenden Arthouse-Produktionen zu versanden. Nach den „Toten Dichtern“ arbeitet sich der US-Amerikaner, der aus Texas stammt, solide nach oben.

In „Wolfsblut“ nach Jack London muss er erstmals einem Giganten entgegentreten, der immer dominiert, wenn ihm die Regie dafür die Gelegenheit gibt; das war in diesem Fall Klaus Maria Brandauer. Dann kamen die Kitschfilme, die man damals für Kunst hielt: Im starbesetzten „Waterland“ (1992) mit Jeremy Irons, Lena Headey und Maggie Gyllenhaal blieb er ebenso blass in Erinnerung wie in „Reality Bites – Voll das Leben“ von 1994, mit dem Winona Ryder, Ben Stiller und Rene Zellweger ihre Karrieren in Schwung brachten.

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Doch für Hawke, der als Schauspieler meistens unterkühlt wirkt und dennoch Eindringlichkeit und künstlerische Distanz glaubwürdig verkörpern kann, kommt 1997 der endgültige Durchbruch mit der Science-Fiction-Dystopie „Gattaca“. In dieser Zukunft können nur noch genetisch manipulierte und damit zugleich intelligente wie optisch attraktive Menschen die guten Jobs erhalten. Für natürlich gezeugte „Gotteskinder“ sind nur noch Stellen als Reinigungskräfte vorgesehen.

Am Set verliebte sich Hawke in seine Filmpartnerin Uma Thurman, und die Realität übertraf damit das Drehbuch. Hochzeit, zwei Kinder. Es sah aus wie die klassische Hollywood-Illusion, dass man nur eine bestimmte Hauptrolle braucht, um dann das perfekte Leben führen zu können und nie wieder um irgend etwas kämpfen muss.

Nach „Gattaca“ gilt Hawke als Garant für kommerziellen Erfolg. Im Jahr darauf gibt er als Finnegan Bell in einer modernisierten Charles-Dickens-Verfilmung von „Große Erwartungen“ eine überzeugende Vorstellung. Fortan wird er praktisch jedes Jahr für einen neue Produktionen gebucht.

Im Privatleben läuft es bald schlechter. Es kommen Gerüchte über eine Affäre Hawkes mit dem Kindermädchen der Starfamilie auf. „Ich nenne sie die schwarzen Jahre“, sagt Hawke heute. Die Ehe mit Thurman wurde 2004 geschieden, vier Jahre später heiratete Hawke das frühere Kindermädchen und bekam mit ihr zwei weitere Töchter. Diese Geschichte zeigt freilich auch, dass selbst in der glamourösesten Welt die banalsten Affären möglich sind.

Nach einer leichten Karrieredelle rappelt sich Hawke bald wieder auf. Er wird für große Produktionen wie „Tödliche Entscheidungen“, dem Remake von „Total Recall“ oder „The Purge – Die Säuberung“ gebucht.

Gegenwärtig bleibt er aber mit jenen Filmen, in denen er beweist, dass souveränes Schauspiel auch Denken voraussetzt und er kein austauschbares Produkt ist. In diese Kategorie fällt der Psychothriller „Der geheimnisvolle Fremde“ (2011), in dem er einen amerikanischen Schriftsteller spielt, der in Paris strandet und dort in mörderische Verwicklungen gerät.

Im Drama „Good Kill – Tod aus der Luft“ (2014), in dem er als ausgemusterter, frustrierter Kampfpilot in einem Container sitzend widerwillig Drohnen-Einsätze in Afghanistan fliegen muss, zeigt er seine politische Seite. Die kaputte Ehe des Piloten mit einer schönen Frau ist der zweite Handlungsstrang. Es mag autobiographische Gründe geben, dass Ethan Hawke diese Rolle außergewöhnlich glaubwürdig gelingt.