München (dpa/ro) l Mit „Der König der Löwen“ präsentiert Disney nun erneut einen Klassiker im neuen Gewand. Vor fast 25 Jahren kam der Zeichentrickfilm in die Kinos. Jetzt folgt die Realverfilmung. Entstanden ist sie beinahe ausschließlich am Computer. Regisseur Jon Favreau, der 2016 schon das Remake vom Dschungelbuch inszeniert hat, bleibt eng an der vertrauten Vorlage. König Mufasa will sein Reich an seinen Sohn Simba weitergeben. Doch Mufasas Bruder Scar sieht in dem Thronfolger eine Gefahr für seine eigenen Machtansprüche. Mufasa wird getötet, Simba sieht hilflos zu und flieht. In der weiten Savanne lernt Simba, sich zu verteidigen und all das zu lernen, was ein zukünftiger König so drauf haben muss.

Die Recherchen für den Dreh waren sehr aufwendig. Die Filmemacher schauten sich unzählige Naturfilme an und studierten echte Tiere, um ein Gespür für ihre Bewegungen zu bekommen. Sie reisten nach Afrika, um einen Eindruck der Landschaft zu bekommen und Atmosphärisches wie die Farbe der Felsen, den sternenübersäten Nachthimmel oder das Licht bei Sonnenaufgang zu erleben. Vorbilder für die Landschaften waren unter anderem der Serengeti National Park, die Namib Wüste in Namibia, das Bergmassiv Mount Kenya und der Karuru Wasserfall in Kenia.

Im Magdeburger Zoo vorstellig

Auch im Magdeburger Zoo wurde ein Teil des Film-Teams vorstellig. Die Ton-Crew war im August 2016 da, um Aufnahmen der weißen Löwenbabys Shairi und Jasiri zu machen. Wenn Simba etwa das erste Mal in die „Kamera“ faucht, dann hören die Zuschauer den damals wenige Wochen alten weißen Löwennachwuchs, heißt es von der zuständigen Presseagentur. Die damals nicht einmal vier Monate alten weißen Löwen wurden per Hand aufgezogen, deshalb habe das Team für die Aufnahmen quasi auf Tuchfühlung gehen können, sagt Zoosprecherin Regina Jambere. Auch Zoochef Kai Perret freut sich sehr, dass die Aufnahmen wirklich für den Film verwendet werden konnten. Shairi und Jasiri waren 2016 der erste Nachwuchs von Kiara und Madiba, die seit 2014 im Magdeburger Zoo leben. Die nun mit Filmruhm bedachten Löwenzwillinge zogen 2017 in den Tier- und Freizeitpark Thüle (Niedersachsen) um.

Bilder

Der neue Disney-Film setzt darüber hinaus Maßstäbe für animierte Filme. Wildlebende Löwen, Erdmännchen, Vögel, Hyänen, Warzenschweine: Die Illusion ist nahezu perfekt. Inspiriert von Naturschauplätzen in Afrika wurden alle Landschaften am Computer entworfen, mit der Technik von Videospielen. So entstanden fotorealistische, virtuelle Welten, die das Filmteam während des Drehs auch tatsächlich betreten konnte. „Anstatt es auf dem Computerbildschirm abzuspielen, konnten wir direkt hineingehen und neben einem animierten Löwen stehen“, erzählt Favreau.

Der Effekt ist beeindruckend. Das Liebliche des Zeichentrickfilms ist verschwunden zugunsten eines packenden Realismus, der die großen Themen der Handlung noch stärker hervorhebt: Machtgier, Eifersucht, Liebe, Hass. Löwenbaby Simba ist natürlich immer noch niedlich mit seinen runden Knopfaugen. Aufregend wird es, wenn etwa Mufasa und sein Bruder Scar kämpfen. Gewaltige Raubtiere prallen aufeinander, Szenen voller Drama und Spannung. Es macht Spaß, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, in der jeder Strohhalm, jedes Steinchen seinen Platz hat. Kaum zu glauben, mit welcher Sorgfalt das alles am Computer geschaffen wurde.

"Hakuna Matata" wird weiter gesungen

Fans des Films von 1994 hatten befürchtet, die Neufassung könnte alles verfälschen. Doch weit gefehlt. Die alte Version wurde behutsam modernisiert und das meiste findet sich im Remake, allen voran das vergnügliche Duo Timon und Pumbaa – das Erdmännchen und das pupsende Warzenschwein. Wie eh und je trotten sie zu zweit durch die Gegend, ergänzen ihre Sätze gegenseitig wie ein uraltes Paar und sind rührend besorgt um das Wohlergehen Simbas. Wenn sie dann auch noch „Hakuna Matata“ singen, alles kein Problem, dann sind sie auf dem besten Wege, ihrem Ruf als heimliche Stars des Films alle Ehre zu machen.

Song von Elton John und Beyoncé

Nicht nur „Hakuna Matata“, auch viele andere Songs aus dem alten Film sind wieder zu hören, darunter auch das von Elton John und Tim Rice komponierte „Circle of Life“. Neu dabei ist der Popstar Beyoncé. Sie singt den neuen Titelsong „Spirit“ und spricht im englischen Original Simbas Löwenfreundin Nala. Vieles beim Alten also, mit ein paar Änderungen. Was also tun? Den Zeichentrickfilm von 1994 weiter in Ehren halten und trotzdem unbedingt die moderne Fassung anschauen. Gefühlvoll erzählt, mit mitreißender Musik und visuell atemberaubend ist der neue „König der Löwen“ ein Kinoerlebnis, das zu Herzen geht.