Berlin (dpa) l Es gibt etliche Kinomomente, in denen es um die Schwierigkeiten, die hohen Erwartungen geht, denen sich heutige Eltern ausgesetzt sehen. Man denke an Filme wie „Eltern“ von Robert Thalheim oder zuletzt etwa „Frau Mutter Tier“ mit Julia Jentsch. So wenig aber, wie Eltern vorab wirklich auf ihre Aufgaben in Sachen Kinder-Erziehung vorbereitet werden, so wenig gibt es für Großeltern einen Vorab-Check, einen Führerschein, der sie für ihre Zeit als Enkelaufpasser präpariert.

In der hübschen Multigenerationen-Komödie „Enkel für Anfänger“ aber nimmt sich Regisseur Wolfgang Groos eben dieses Themas an. „Wir müssen doch mal irgendwas machen!“, so die von Maren Kroymann mit Verve gespielte, von ihrem Rentnerdasein sichtbar angeödete Best Agerin Karin zu ihrem tatsächlich sehr langweiligen und wenig unternehmungslustigen Gatten, der anstelle von aufregenden Reisen von Treppenliften spricht.

Bissiger Humor weit unter der Gürtellinie

Schnell ist die Idee einer Leih-Großelternschaft geboren, die zu allerlei merkwürdigen intergenerationallen Begenungen zwischen Jung und Alt führt. Darunter eine schöne Szene an einem sommerlichen Garten-Grill: Enkelin zum Teilzeit-Opa: „Meine Eltern sagen, wir essen nur Bio!“. Daraufhin der Opa (Günther Maria Halmer): „Dann überleg dir mal, wer der Gemeine ist: Der, der ein unglückliches Schwein tötet, oder der, der ein glückliches Schwein tötet?“.

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Das Drehbuch von Robert Löhr wartet mit einigen, und doch viel zu wenigen Momenten dieser Art auf – der bissige Humor ist jedoch häufig unter der Gürtellinie angesetzt. Das macht die ansteckende Chemie der Darsteller des 104-minütigen Leihgroßeltern-Abenteuers aber wieder wett.

Eine packende Filmerzählung mit vielfältigen Bezügen zur Gegenwart, und somit ein Kontrastprogramm, ist der Roman-Polanski-Film „Intrige“. Der Fall des – jüdischen – Generals Alfred Dreyfus, der wegen angeblichen Hochverrats verurteilt und in die Verbannung verschickt wurde, erschütterte das Frankreich des Fin de Siècle und spaltete das Land in Gegner und Befürworter. Roman Polanski hat die komplexe Dreyfus-Geschichte in eine packende Filmerzählung verwandelt, in der der Leiter des Geheimdienstes (Jean Dujardin) dahinterkommt, dass Dreyfus nur der Sündenbock für den militärischen Apparat war. Denn der Geheimnisverrat an die Deutschen geht weiter. Polanski gelang nicht nur eine spannende Geschichtslektion, sondern er stellt auch vielfältige Bezüge zur Gegenwart her, etwa den erstarkenden Antisemitismus.

Söldner müssen sich Mord-Vorwurf stellen

Von Frankeich geht es weiter in den Kongo: In „Congo Murder“ erfährt der Zuschauer die Geschichte von Joshua French (Aksel Hennie) und Tjolstov Moland (Tobias Santelmann), zwei norwegische Abenteurer und Söldner, deren Mission im Kongo scheitert. Ihr Fahrer wird erschossen. Die beiden werden verhaftet, und der Vorwurf lautet auf Mord, Spionage und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Und die an Norwegen gerichtete Entschädigungsforderung beträgt 400 Milliarden Dollar.

Der Film, in einem semidokumentarischen Stil gedreht, schildert vor allem die acht langen Jahre der Haft, die sie 2009 angetreten haben, und die absurden Verhandlungen und Tribunale, deren Ausgang von Anfang an klar ist. Auch wenn der Film die beiden als Opfer zeigt – sympathisch werden sie bis zum Ende nicht.

Das freiwillige Jahr behandelt ein Thema, dass vielen Jugendlichen nach ihrer Schullaufbahn begegnet: Das Freiwillige Soziale Jahr. Die Geschichte ist schnell erklärt. Ein Vater will seine Tochter zum Flughafen bringen, die in Costa Rica ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren soll. Doch einiges kommt dazwischen.

Die beiden Regisseure Ulrich Köhler und Henner Winckler analysieren in ihrem gemeinsamen Film nicht nur eine problematische Vater-Tochter-Beziehung, sondern erzählen auch viel über fehlende oder falsche Lebensentwürfe. Nur auf den ersten Blick wirkt alles in diesem Film ohne Mätzchen ziemlich alltäglich – am Ende entpuppt sich „Das freiwillige Jahr“ als wohlkomponierter Film und als ein kleines Juwel kinematografischer Beobachtungsgabe.

Die Filme sind ab 6. Februar in ausgewählten Kinos zu sehen.