Magdeburg/Coolangatta l Es laufen so einige Formate im Privatfernsehen, die immer wieder für Aufsehen sorgen. Das Dschungelcamp - oder der offizielle Titel "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus - ist beispielsweise neben dem Bachelor unumstritten eines davon. Es ist eine dieser TV-Shows, die irgendwie niemand schaut, aber beim nächsten Treffen mit Freunden oder Bekannten dann doch alle mitreden können. Seltsam, oder? Natürlich war die kaputte Fernbedienung Schuld.

Dass die Sendung bei RTL immer wieder für mächtig Einschaltquoten sorgt, bestätigt den Verdacht, es gäbe doch mehr Zuschauer als angenommen. Allein 2019 liegen die Quoten für die RTL-Show in der werberelevanten Gruppe der 14- bis 49-Jährigen bei durchschnittlich 40 Prozent (Stand 23. Januar 2019). Das heißt: Fast jeder Zweite Fernsehzuschauer in diesem Alter schaltet abends ein, wenn die Promis sich nicht nur den vorgegebenen Prüfungen stellen. Im Schnitt sind das in Zahlen rund fünf Millionen Zuschauer pro Folge. Damit zieht das Dschungelcamp (mal zum Vergleich) locker das ehemalige Wettkampf-Format "Schlag den Raab" vom gleichnamigen Prosieben-Zugpferd ab - der kam im Durchschnitt in 55 Ausgaben "nur" auf 3,2 Millionen pro Sendung.

Zwei Millionen Euro pro Folge

Für RTL ist das Dschungelcamp also ein echter Quotenbringer, in den aber auch gut investiert werden muss. Laut eigenen Angaben des Senders gehört das Format damit zu den kostenintensivsten eigenen TV-Show-Produktionen. Konkrete Zahlen gibt es nicht aber TV-Spielfilm will durch Medieninsider herausgefunden haben, dass pro Folge zwei Millionen Euro anfallen. Demgegenüber standen beispielsweise in der IBES-Staffel 2016 Werbeerträge in Höhe von 36 Millionen Brutto.

Eine andere Nummer und noch weit undurchsichtiger sind die Gagen, die RTL den Camp-Teilnehmern zahlt. Darüber wird seit Jahren spekuliert: so dürften wohl einige mehr mehr verdienen als den zusätzlichen Siegerbonus von 100.000 Euro in der Staffel 2019. Top-Verdienerin soll übrigens Brigitte Nielsen gewesen sein als sie 2016 zum zweiten Mal ins Camp zog - 200.000 Euro gab es wohl für ihre Teilnahme. Vertraglich festgeschrieben ist übrigens, dass die Stars ihre Gage nur zur Hälfte verlieren, sollten sie frühzeitig trotzdem aussteigen.

Das Dschungelcamp wird 2019 übrigens bereits zum 13. Mal ausgestrahlt. Dahinter steckt die Produktionsfirma ITV Studios Germany, die unter anderem auch "Lets Dance" und "Das perfekte Promi-Dinner" produziert.

Britisches Vorbild

Das Sendungsformat basiert auf "I’m a Celebrity … Get Me Out of Here!", was der deutschen Übersetzung entspricht. Die Engländer fahren voll darauf ab, das Format läuft dort schon seit 17. Staffeln. Die Lister der Länder, die sich bereits am Dschungelcamp versucht haben oder es noch erfolgreich versuchen, ist lang: Australien, Dänemark, die Niederlande, Indien, Frankreich, Schweden, Ungarn, Rumänien und die Vereinigten Staaten. Die Schauplätze sind dabei übrigens sehr unterschiedlich - während die deutsche und britische Produktion im australischen Murwillumbah abgedreht wird, gibt es auch Schauplätze unter anderem in Südafrika, Malaysia und sogar Brasilien.

Nun ist mit einem Camp und ein paar Kandidaten noch nicht viel gewonnen - es braucht auch ein starkes Team, dass für den Erfolg sorgt. Mehrere hundert Mitarbeiter sollen für die Produktion arbeiten und in Campnähe Büros und Schlafmöglichkeiten haben. Unter ihnen sind wohl auch Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, die bekannten Moderatoren der Sendung. Mit ihren perfekten Pointen und manchmal harten Punchlines gegen die Kandidaten sind sie seit Jahren fester Bestandteil der Show. Da wird schon des Öfteren mal hart vom Leder gezogen. Natürlich schreiben die beiden ihre Gags nicht selbst, dafür sind unter anderem Micky Beisenherz und Jens-Oliver Haas zuständig. Beisenherz ist in der Medienlandschaft kein unbekannter, sondern unter anderem als Moderator und Hobbykarikaturist bekannt. Im Dreischichtbetrieb wird die Sendung produziert - also das Material angesehen, ausgewertet und geschnitten -, damit sich der Zuschauer das Spektakel abends genüsslich vor dem Fernseher ansehen kann.

Apropos Gags - die werden natürlich nicht für die Stars geschrieben. Das, was dort gequaselt wird, passiert tatsächlich. Bei einigen anderen Dingen innerhalb der Show kann auch schon einmal nachgeholfen werden, wie RTL in einem Statement auf Anfrage von Bild selbst bestätigt. So ist zum Beispiel der Wasserfall im Camp künstlich und die ekligen Krabbeltierchen kommen aus Zuchtbetrieben und nicht aus der Pampa. Außerdem müssen die Campteilnehmer das Holz für ihr Feuerchen nicht selbst sammeln - das wird ihnen bereitgestellt. Und falls es mit dem Laufen zur Dschungeprüfung mal nicht klappt, wartet auch ein Bus-Shuttle auf die Prominenz.

Streithähne garantieren Unterhaltung

Alles in allem bleibt es also ein Show. Und solange die drei Casting-Mitarbeiter der Show weiterhin die besten Streithähne (wie Yotta und Currywurstmann Chris) zwei Wochen auf ein paar Quadratmeter mitten in den Dschungel "einsperren", ist für die Unterhaltung weiterhin gesorgt. Also alles richtig gemacht.