Frau Bauerfeind, in der neuen Serie „Frau Jordan stellt gleich“ kämpfen Sie mit Witz und Tücke für die Rechte von Frauen. Hat’s Spaß gemacht?
Katrin Bauernfeind: Ich hatte die Zeit meines Lebens. Eva Jordan ist eine unkonventionelle und manchmal auch leicht überforderte Gleichstellungsbeauftragte. Eine erwachsene Pipi Langstrumpf mit Büro statt Villa Kunterbunt. Sie ist forsch, weiß aber oft selbst nicht, wie man die Herausforderungen der modernen Gesellschaft meistert. Das zu spielen hat enormen Spaß gemacht. Außerdem durfte ich mit sensationellen Schauspielern arbeiten, das Team war wie eine zweite Familie, die Drehbücher waren top und der Sender hat uns Freiheiten gegeben. Es war wie ein Sechser im Lotto, nur mit Freude statt Geld.

Sie spielen eine Gleichstellungsbeauftragte, die es mit Machos und Sexismus zu tun bekommt. Wurden Sie beruflich je benachteiligt, weil Sie eine Frau sind?
Es geht um Gleichstellung, deswegen geht‘s um alle Randgruppen: Behinderte, Ausländer, Katholiken und eben auch Männer. Aber über uns sollen ja nicht nur Feministinnen lachen, sondern möglichst alle – eben auch Männer. Und: Die einzige Frau der westlichen Welt, die beruflich nie benachteiligt wurde, ist wahrscheinlich die Queen.

Sind Sie in Ihrem Privatleben schon mal mit einem unverbesserlichen Macho aneinander gerasselt?
Mit Machos ist es wie mit Zigaretten. Die echten werden zunehmend ersetzt durch solche, die so tun, als wären sie weniger gefährlich. Ich rassle jetzt im Freundeskreis manchmal mit Männern aneinander, die Dinge sagen wie: „Ich weiß nicht, warum sie unzufrieden ist, sie hat doch jetzt das Haus und das Kind!“ Solche E-Machos sind leider gar nicht so selten, insofern hat Eva Jordan noch viel Arbeit …

Die Serie nimmt die Themen Gleichberechtigung und Feminismus humorvoll auf die Schippe. Glauben Sie, dass die öffentliche Debatte darüber manchmal zu verkrampft ist?
Feminismus und Katholizismus ähneln sich in Sachen Humorlosigkeit. Solange man ein gemeinsames Ziel hat, ist doch wurscht, wie man da hinkommt. Warum nicht auch mit Humor? Amy Schumer kann ja genauso auf Feminismus aufmerksam machen wie Alice Schwarzer. Selbst auf den Mount Everest führen mehrere Wege, von Rom ganz zu schweigen.

Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?
Zählen wir doch mal durch, wie viele Frauen im deutschen Fernsehen eine Sendung haben, in der auf ihre Persönlichkeit gesetzt wird. Und wie viele Männer? Sehen Sie?

Wie bewerten Sie den Gang der aktuellen MeToo-Debatte?
MeToo scheint mir vom Klima verdrängt worden zu sein, bevor wir wirklich angefangen haben darüber zu diskutieren. Schade.

Wo hört für Sie ein Flirt auf und fängt die sexuelle Belästigung an?
Es ist als würden Sie mich fragen, wo hört eine Umarmung auf und wo fängt der Schwitzkasten an. Die Debatte ist absurderweise da hängengeblieben und alle tun so, als ginge es tatsächlich um verkorkste Komplimente und vermasselte Dates, und nicht um ein strukturelles Ungleichgewicht.

Können Sie Männer verstehen, die sich vom Feminismus überfordert fühlen?
Männer können doch angeblich oft gut rechnen. Die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen lässt sich prima in Zahlen ausdrücken, deswegen sollten sich Männer davon nicht überfordert fühlen ...

Wären Sie manchmal lieber ein Mann?
Ja, in der Schuhabteilung. Ich hab Schuhgröße 42 mit der Tendenz zur 43, und so was ist von der Schuhindustrie für Frauen offenbar nicht vorgesehen. In der Männerabteilung dagegen geht der Spaß ab 42 erst los.

Was für ein Mann wären Sie denn gern? Vielleicht ein alter weißer?
Nein, wenn schon, dann lieber jung und leicht gebräunt …

Die Serie stammt aus der Feder von Ralf Husmann, der auch die Büro-Comedy „Stromberg“ erfunden hat. Haben Sie sich gefreut, an einem Husmann-Projekt mitwirken zu dürfen?
Ja, es ist eine große Ehre. Ralf Husmann würde niemanden an seine Rollen lassen, der sie nicht liebevoll behandelt und spielt. Ich hab mich leicht unter Druck gesetzt vor dem Dreh.