Bochum (dpa) l In zwei neuen TV-Reportagen befasst sich Eckart von Hirschhausen mit den ernsten Themen des Lebens: Für „Hirschhausen im Hospiz“ zog er für zwei Tage in eine Bochumer Sterbeklinik. Das Erste zeigt die Doku am Montag, 16. September, um 20.15 Uhr. Am 23. September folgt „Hirschhausen im Knast“. Cornelia Wystrichowski sprach mit ihm über den Film.

Herr von Hirschhausen, für Ihre neue Reportage haben Sie zwei Tage in einem Hospiz verbracht. Was hat Sie dort besonders bewegt?
Eckart von Hirschhausen:
In meiner Ausbildungszeit hatte ich als angehender Arzt in der Kinderneurologie wenig mit dem Tod zu tun, und daher war das Hospiz für mich echtes Neuland. Mich hat beeindruckt, dass dort gegen die Erwartung keine durchgehende Grabesstimmung herrscht, sondern es viele herzliche und auch leichte Momente gibt, die wir erleben und einfangen konnten. Vor allem hat mich berührt, mit welcher Liebe und Hingabe dort Ärzte, Pflegekräfte, Ehrenamtliche und Angehörige zusammenarbeiten, um der letzten Lebensphase Würde und Fülle zu geben.

Verdrängen wir den Tod zu sehr aus unserem Alltag?
Wir kommen aus Staub, wir werden zu Staub, deshalb meinen die meisten, es müsse im Leben darum gehen, viel Staub aufzuwirbeln. Angesichts des Todes wird sehr viel von dem, wonach wir alle lange streben und womit wir unglaublich viel Zeit verdödeln, total unwichtig. Und davor haben wir Angst: dass wir einsehen müssten, die falschen Prioritäten gehabt zu haben. Keiner hat doch auf dem Sterbebett jemals gesagt: Ich hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen oder mit Social Media. Alles was am Ende zählt ist nicht mit Geld aufzuwiegen.

Glauben Sie selber an ein Leben nach dem Tod?
Die Frage beantworte ich Ihnen im nächsten Leben. Ich war in Bochum im Ruhrgebiet, dort sagte ein Bergmann etwas sehr Weises: „Vor der Hacke ist es dunkel“. Wir wissen es nicht. Denn alle Aussagen über den Tod haben einen systematischen Fehler: Sie kommen von Lebenden. Was mich angeht: Ich glaube an ein Leben nach dem Tod, zumindest in Teilen, und bin deshalb erklärter Organspender. Und was den Nachruhm angeht, bin ich lieber zu Lebzeiten überschätzt als andersherum.

Haben Sie schon genaue Vorstellungen, wie mal Ihre Beerdigung aussehen soll?
Nein, aber ich möchte auf jeden Fall einen humorvollen Grabstein, zum Beispiel mit der Inschrift: „Typisch: Jetzt wo ich Zeit habe, kommt keiner vorbei.“ Oder wie Johnny Carson. Der berühmte Talkmaster ließ wie vor einer Werbepause schreiben: „Ich bin gleich wieder für Sie da“. An meinem Satz arbeite ich noch.

Ihre zweite Reportage führt Sie in ein Gefängnis. Was haben Sie bei dem Aufenthalt hinter Gittern für sich persönlich gelernt?
Dass es Türen gibt, die man nicht von innen öffnen kann. Und wie seltsam es ist, nicht nur Gitter vor dem Fenster zu haben, sondern auch vor der Dachluke. Ich wollte auch hier ein Gefühl dafür bekommen, wie das ist, eingesperrt zu sein, isoliert, weg vom Fenster. Was macht das mit einem selber, wie verändert das Menschen, Beziehungen, Lebensläufe. Da kann man schon ins Grübeln kommen, wie sinnvoll manche Strafmaßnahme ist. Ich hatte ja Zeit nachzudenken, denn ich musste wie jeder andere auch mein Handy abgeben, was einem ja sonst pausenlos das eigene Denken abnimmt.

Sie propagieren stets das Lachen als Medizin, den Humor als Wunderwaffe. Sind existenzielle Situationen wie Hospiz und Knast aber nicht Lebenslagen, in denen es nichts mehr zu lachen gibt?
Von Karl Valentin stammt der weise Satz: „Wenn es regnet, freue ich mich. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Humor ist überhaupt nichts Oberflächliches, sondern das tiefe Einverständnis in die Widersprüchlichkeit, in die Absurdität und die unauflösbaren Rätsel unserer Existenz. Der Humor wurde uns geschenkt als Ausweg und Trost, damit wir über Dinge, die wir nicht ändern können, nicht verrückt werden oder verzweifeln.

Sie haben in einer aktuellen Umfrage als beliebtester Quizmaster nach Günther Jauch abgeschnitten. Wollten Sie eigentlich schon immer ins Fernsehen?
Ganz im Gegenteil. Mit vier wollte ich Feuerwehrmann werden, dann Lokführer und Zoodirektor, und während des Studiums Entwicklungshelfer. Heute unterstütze ich unter anderem „Scientists for Future“, die Welthungerhilfe und Ärzte ohne Grenzen, bin mit der Bahn unterwegs, arbeite zwar nicht gegen Feuer, aber gegen Burn-Out und setze mich für seelische Gesundheit ein, stehe auf der Bühne und mache mich zum Affen, bin dabei aber mein eigener Direktor. Ich finde, ich habe ziemlich viel von meinen Kindheitsträumen verwirklicht. Zumindest keinen verraten.

In Ihren Shows wirken Sie immer ganz schön schlau. Wo sind denn Ihre Wissenslücken?
Überall dort, wo ich die Antwort nicht auf meinem Zettel ablesen kann. Moderatoren werden grundsätzlich überschätzt. Dabei finde ich gute Fragen oft wichtiger als vorschnelle Antworten. Eine Frage, die mir Jane Goodall, die Schimpansenforscherin gestellt hat, gebe ich gerne weiter: „Wenn der Mensch die intelligenteste Art ist, die es auf der Erde gibt – warum zerstören wir dann unser eigenes Zuhause?“ Darüber wüsste ich gerne mehr, wie wir verhindern können, dass die Erde in wenigen Jahren überhitzt und unbewohnbar wird.