Rosenheim (dpa) l Ausgerechnet in der Jubiläumsfolge fehlt er, der alles entscheidende Satz: „Es gabad da a Leich.“ Mit diesem Verweis auf einen Leichenfund schickt Sekretärin Miriam Stockl üblicherweise die Mordermittler zum Einsatzort. Doch wenn die „Rosenheim Cops“ heute – ausnahmsweise erst um 19.35 Uhr – zum 400. Mal ihre Arbeit aufnehmen, hat Stockl keine Chance. Sie hat den Bus verpasst, kommt zu spät ins Präsidium – prompt gleiten ihr die Fäden aus der Hand.

16 Jahre nach dem Start ist die ZDF-Vorabendserie Kult. Mit bis zu fünf Millionen Zuschauern im Schnitt erreicht sie nach kurzer Flaute wieder die Marke der ersten Staffel. Ein Erfolg, mit dem laut Produzent Alexander Ollig kaum jemand gerechnet hatte.

403 Leichen

Bisher hatten es die „Cops“ mit 403 Leichen zu tun – zweimal gab es zwei Morde und einmal wollte der Mörder die Leiche in einem Sarg entsorgen, in dem schon ein Toter lag. Folgen ohne Leiche gab es nie. Immer wieder neue Mordarten sind da freilich nicht zu erwarten. „Bei 400 Folgen würden die Ideen allzu rasch ins Abstruse abgleiten“, sagt der Produzent. Die Geschichten dürfen sich nur nicht zu sehr ähneln.

Zumal viele Gewaltdelikte ausgeschlossen sind. „Das liegt darin begründet, dass es für den Zuschauer schwierig ist, sich über den verschwundenen Vierfachlocher von Frau Stockl zu amüsieren, wenn ein Kind ermordet oder eine junge Frau entführt wurde“, erklärt Ollig. Als „Wohlfühl-Serie“ beschreibt auch Darsteller Joseph Hannesschläger die „Rosenheim Cops“. Er spielt Kommissar Korbinian Hofer, der seit der ersten Folge dabei ist – in der Jubiläumsausgabe jedoch fehlt.

Erster Fall für Christian Bach

Meist ermittelt aber ein Duo aus der Kombi dicker Mann mit Wurzeln in Bayern und jüngerem, sportlichem Kollegen aus Norddeutschland. Folge 400 ist der erste Fall für Mordermittler Christian Bach. Darsteller Patrick Kalupa antwortet auf die Frage nach Besonderem an einer Rolle bei den „Cops“: „Die Kameradschaft unter den Kollegen, das Panorama und das deftige Essen machen mir beste Laune!“ Als Hochdeutscher und Newcomer habe er inmitten der Rosenheimer einen „total attraktiven Single-Stand und kann mit ganz eigener Tonspur überzeugen“.

Er ist der 13. Kommissar – ihnen gegenüber steht eine Frau: Katharina Abt alias Verena Danner, die seit 2016 zu sehen ist. Die Bedeutung der Ermittler hat sich aber gewandelt: „Am Anfang war die Serie sehr auf die beiden Kommissare konzentriert, heutzutage ist es mehr eine Ensemble-Leistung“, sagt Hannesschläger. „Die Kommissare ermitteln hauptsächlich, die Nebenfiguren bestreiten die Nebengeschichten.“

Ermitteln in Urlaubsregion

So machen die halbprivaten Stränge die Leichtigkeit aus. Seien es die geschwätzige Stockl, der emsige Polizist Michi Mohr oder Hofers Schwester Marie, die im Stadtrat und so im Stadtgeschehen omnipräsent ist und mit Polizeidirektor Gert Achtziger nebenbei die Musikakademie schmeißt. Das Ganze inszeniert in Voralpenidylle und – weil meist im Sommer gedreht – bei bestem Wetter. „Wir ermitteln dort, wo andere gerne Urlaub machen“, sagt Hannesschläger. Immer wieder kommt es auch vor, dass die Hauptfiguren höchstpersönlich die Leichen finden.

Gabriele Bauer, Oberbürgermeisterin der Stadt, verweist – angesprochen auf die hohe Mordrate im TV – gerne auf die hundertprozentige Aufklärungsquote. „Die „Rosenheim Cops“ sind aus Rosenheim nicht mehr wegzudenken“, sagt die CSU-Politikerin. Der Erfolg schlage sich auch in den Tourismuszahlen nieder. „Beim Blick aus meinem Büro sehe ich jeden Tag Menschen, die vor dem Polizeipräsidium – das eigentlich unser Rathaus ist – Erinnerungsfotos schießen“, erzählt Bauer. Die Stadt bietet sogar Führungen „Auf den Spuren der „Rosenheim Cops“ an, an denen inzwischen mehr als 38.000 Menschen teilgenommen haben.

20.000 Fans in Facebook-Gruppe

Wie wichtig die Fans für die Serie sind, macht auch Produzent Ollig deutlich: Zuschauerkritik werde sehr ernstgenommen. So werde etwa ständig verfolgt, was die knapp 20.000 Fans auf der Facebook-Seite posten. „Und im Bedarfsfall setzen wir Kritik dann auch behutsam um.“

Allerdings könnten die Autoren nur vorsichtig an den Figuren arbeiten: „Man darf nicht unterschätzen, dass der Zuschauer nach so vielen Folgen eine klare Vorstellung davon hat, was Frau Stockl machen würde und was nicht“, sagt Ollig. „Dem muss sich auch der Autor unterwerfen.“ Sonst gehe die innere Plausibilität der Serie verloren – und dann sei auch der Zuschauererfolg gefährdet.