Halle l Die rote „5“ der Straßenbahnlinie Weinberg-Campus rattert am Eselsdenkmal auf dem Alten Markt in Halle vorbei. Folge 6, Szene 135, die erste – Klappe. Ein Mann taumelt auf eine Polizistin und ihre zwei Kollegen zu. Er lallt: „Man muss doch der Frau irgendwie helfen. Das kann man doch nicht so zulassen ...“ Einer der Beamten versucht zu beruhigen: Doch der Mann mit der dicken Goldkette wird noch wütender. „Hau ab!“ Dann schlägt er zu. Der Schreihals wird von den Jung-Polizisten aufs Pflaster gedrückt. Beobachtet vom Kameraauge auf einem Hochpodest.

Drei Damen, die auf dem Markt Kaffee trinken, sind nicht sonderlich erstaunt, was sich fünf Meter vor ihrem runden Tisch abspielt. Sie wissen, wie die meisten der Zaungäste hinter der Absperrung, dass Szenen für die ZDF-Vorabendserie „Blutige Anfänger“ gedreht werden. Auch als die Setaufnahmeleiterin warnt: „Es kann jetzt laut werden“, nicken sie nur gelassen.

Nächste Szene des Polizisten-Trios

Gedreht wird die nächste Szene, die eigentlich diejenige davor ist. „Wir gehen wieder auf Anfang! Ruhe bitte! Kamera läuft.“ Das Polizisten-Trio geht aus Richtung Beatles-Museum auf den Markt zu. Vor ihnen die Handkamera. Hinter sich eine fahrradschiebende Komparsin im geblümten Kleid. Die nächsten Sekunden sind im Kasten.

Bilder

Eigentlich geht es am Semesterbeginn an der Polizeifachhochschule, deren Ort das TV-Team von Aschersleben nach Halle verlegt hat, um die spannende Frage: Wer wird im Praxissemester in welcher Polizeidienststelle eingesetzt?

Doch bevor diese Frage beantwortet wird, werden Inka (Luise von Finckh), Ann-Christin (Jane Chirwa), Kilian (François Goeske) und Marc (Timmi Trinks) Zeugen eines Mordes im Kino und rutschen so in die Ermittlungen hinein. Sie nutzen die Chance und lösen gemeinsam ihren ersten Fall. Keine Frage, wo es sie hinverschlägt – natürlich zur Mordkommission. Doch damit nicht genug. Während die Praxisplätze bekanntgegeben werden, wird ein Dozent in seinem Büro erschlagen ...

Dreharbeiten bis Ende Oktober

Noch bis Ende Oktober dreht die Berliner studio.tv.film im Auftrag des ZDF zunächst zwölf Folgen der neuen Vorabendserie. Drehort ist neben Halle und Umgebung auch das Berliner Umland. Die Serie soll im Januar 2020 im Zweiten gesendet werden.

Eine Frau in Schwarz bleibt ungläubig stehen. „Muss man hier Angst haben?“, fragt sie unsicher einen vom Drehteam. „Nö, wir machen hier Film“, so die beruhigende Antwort. „Das muss man doch wissen“, so die Ordensfrau von der Heiligen Elisabeth in Halle. Und sie verrät: „Wir haben gerade auch einen Film gesehen. Da ging es ebenfalls um Mord – Kain und Abel.“ Produktionschef Fabian Pohlmann findet Halle als Drehort spannend: „Die Stadt ist noch nicht so oft erzählt worden. Es gibt viele neue Bilder.“

Informiert habe sich das Team in der Aschersleber Polizeischule, aber auch in Berlin und Brandenburg. Auf die Frage, ob die Serie auch „Sex, Drugs and RockʼnʼRoll“ aus dem wahren Leben der Aschersleber Polizistenschmiede eingebaut hätte, antwortet er diplomatisch: „Natürlich nicht die echten Vorkommnisse, aber kleinen und mittlere Verwicklungen gibt es schon.“

Polizistin kam nicht in Frage

Die Berlinerin Jane Chirwa, als Polizeischülerin „AC“ Heffner, sagt: „Polizistin hätte ich nie werden wollen. Ich war schon immer jemand, der die Regeln austestet. Das wäre nichts geworden.“ Aber: „So eine Uniform macht irgendwie den Unterschied. Mit der Waffe – auch wenn sie nur Fake ist – und den schweren Schuhen kriegt man gleich einen ganz anderen Gang. Die Rolle ist etwas ganz anderes als meine Figur in ,Die jungen Ärzte‘.“