Magdeburg l Der Regen schlägt Blasen, das Gewitter grollt noch in der Ferne. Was soll das nur für ein Open-Air-Abend werden? Wer pünktlich zum angekündigten Konzertbeginn auf dem Domplatz in Magdeburg steht, braucht Optimismus, einen Regenponcho und eine gewisse Zuneigung zu dem Mann, der um 19 Uhr noch auf sich warten lässt. Eine Stunde später ist der Domplatz voll.

Die Wolken hören auf, Wasser nach unten zu schicken. Sogar die Sonne zeigt sich plötzlich. Und als das alle sehen, steht der Sänger mit dem schwarz-grünen Käppi auf der Bühne, läuft nach vorn und haut erstmal „Flash mich“ heraus. Das sitzt – mindestens genauso gut wie das Käppi und die Brille. So kennt man den Sänger. Der strahlt und ruft „Leck mich am Arsch, Magdeburg. Seid ihr viele!“

Tausende stehen vor der Bühne und finden von Anfang an alles gut. Wie Mark Forster singt, was er sagt, wie er über die Bretter springt und welche Hits er auf den Domplatz wirft. „Magdeburg, bei meinen Konzerten hat es noch nie geregnet. Falls jetzt doch noch Wolken kommen, pusten wir sie gemeinsam weg.“ Es funktioniert. Kein Tropfen fällt in den nächsten zwei Stunden, in denen viele Kinder ihre Konzert-Premiere gefeiert haben dürften. Mark Forster zieht das breite Publikum an. Eingefleischte Fans, die jede Zeile mitsingen können, genauso wie das partyliebende Volk und die Familien.

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Jeder mag ihn, jeder kennt ihn. Er ist der lustige Typ, der TV-Shows wie „Sing meinen Song“ oder „The Voice Kids“ belebt. Er ist der Typ, den man immerzu im Radio hört. Und dabei ist der trotzdem der Typ von nebenan, den man mag, weil er so spitzbubenhaft lächelt.

Er lässt alle teilhaben an seinem Leben – zumindest fühlt es sich so an, und das genügt. „Wisst ihr, ich bin in einem kleinen Kaff groß geworden. Das einzige, was ich machen konnte, war Fahrrad fahren“, erzählt Mark Forster. Träumen konnte er auch noch. Und doch, erzählt der Sänger, hätte er sich nicht träumen lassen, „mal auf so einer Bühne zu stehen, mit so tollen Musikern und vor einem so tollen Publikum“. Die Lebe-Deine-Träume-Botschaft, sie wäre nicht zwingend nötig gewesen.

Forsters Durchbruch mit "Au Revoir"

Auch die „Live-Schaltung“ nicht übers Smartphone zu Michael Patrick Kelly und Sido, jenem Rapper, dessen Gast-Einsatz bei „Au Revoir“ 2014 den großen Durchbruch gebracht hat. Aber es wirkte auch nett und spannte immer wieder den Bogen zu denen, die hier Spaß haben wollten. Klar, man hört auch gern „Genau wie du“, den Song, den er für seinen Vater geschrieben hat, zu dem er „eine herzliche, aber komplizierte Beziehung pflegt“.

Es ist ganz schön, Mark Forster ein bisschen melancholisch am quietschbunt beklebten Klavier zu erleben. Aber die Sonne in die Herzen bringt er auf den regennassen Domplatz mit seinen „Krachern“. Er macht das gern, was er macht. Mark Forster haucht und schreit, singt und lässt das Publikum singen. Nie geht ihm die Stimme aus. Nie die Stimmung. Er stellt seine Band vor. Er sagt annähernd 100 Mal etwas mit „Magdeburg“ – wohlgemerkt ohne lästiges langes „aaa“ als zweiten Vokal. Er lässt seiner großartigen Band viel Freiraum zum Spielen und zeigt sie als Einblendung auf der Videowand.

Auch das Publikum ist dort immer wieder zu sehen. Eine gute Sache. So können alle alles sehen – auch die Kids in den hinteren Reihen. Viele Arme, die in die Höhe gestreckt werden sind dort zu erkennen und die Geste, die Mark Forster seinen Publikum zu Beginn mitgegeben hat: „Wenn ihr etwas gut findet, wenn Liebe und Zuneigung zu spüren ist, dann macht so“: Die Hände schnappen auf und zu.

Mark Forster begeistert Magdeburger

Weil man ihn mag, weil es nicht mehr regnet, weil einfach alles passt, schnappen die Hände häufig auf und zu. Der Gute-Laune-Pop von Mark Forster geht nun mal direkt ins Ohr und verleitet zum Tanzen und Gesten-Machen. Seit fast sechs Jahren geht das schon so. Der 35-Jährige ist ein Star, der die schönen Seiten des Lebens besingt, über die Liebe und dass man wieder aufstehen soll, wenn man gescheitert ist. Seine Botschaft bündelt sich wohl am besten in den Refrain-Zeilen aus „Sowieso“: „Egal, was kommt, es wird gut, sowieso…. Immer geht ne neue Tür auf, irgendwo …“ Wer könnte etwas dagegen haben?

Als er den Song spielt, ist die Party auf dem Domplatz in vollem Gange. Es werden Luftschlangen und Konfetti geschossen. Das Konzert endet mit mehreren Feuerwerken. Eins beim „Au Revoir“-sagen und eins nach und bei der Zugabe, wo er immer noch Hits wie „Bauch und Kopf“ hervorzaubern kann. Mark Forster ist an diesem Abend vieles – ein toller Sänger, ein richtig guter Entertainer, ein Partymacher, ein Star zum Anfassen. Einer, der Menschen dazu verleitet, solche schwarz-grünen Käppis zu kaufen. Einer, der es schafft, dass Massen tanzen, der Chöre singen lässt.

Und der es schafft, dass die Massen immer wieder Zuneigung zeigen. Ganz einfach so: Hände in die Luft, Hand öffnen und schließen. Es hat sich gelohnt, dieses Konzert, würde es wahrscheinlich immer wieder aufs Neue, wenn er so bleibt, wie er ist. Oder wie es Mark Forster selbst sagt: „Bis gaaaanz bald, Magdeburg!“