Stendal (dpa) l Wie geht es weiter mit den Sanierungsarbeiten am Winckelmann-Museum in Stendal? In der Stadt sorgen weitere Mehrkosten für Streit. Stimmt der Stadtrat dem Nachschlag von fast einer halben Million Euro nicht zu, ist offen, ob die Sanierung überhaupt vollendet werden kann. Dabei liegt der geplante Eröffnungstermin im Dezember ohnehin bereits denkbar ungünstig: Das Winckelmann-Jubiläumsjahr – 2018 jährt sich der Tod des in Stendal geborenen Archäologen zum 250. Mal – ist dann schon fast vorbei. Eigentlich sollte sich die Wiedereröffnung in die international gefeierten Jubiläen einreihen – auch 2017 war wegen des 300. Geburtstags des Archäologen bereits ein Winckelmann-Jahr.

Seit Juni 2017 wird das Museum umgebaut. Die dortigen Ausstellungen befassen sich mit dem Leben und Wirken des in Stendal geborenen Gelehrten und Archäologen Johann Joachim Winckelmann (1717 – 1768). Für die Sanierung werden nun weitere Zusatzkosten fällig.

Ursprünglich war eine Summe von 2,3 Millionen Euro angedacht. Schon im vergangenen Jahr musste der Stadtrat einen Nachschlag von 500 000 Euro bewilligen. Nun liegt ein weiterer Antrag der Stadt vor. So werden weitere 495 000 Euro zusätzlich benötigt. Die Winckelmann-Gesellschaft als Träger des Museums wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht zu dem Fall äußern und verweist auf die Stadt als Bauherr.

Stadträte sind skeptisch

Aus dem Rathaus ist zu hören, dass "die weiteren Mittel für verschiedene Bauarbeiten an den Häusern des Winckelmann-Museums benötigt werden. Zu diesen zählen unter anderem die Fassaden- und Klinkeraufarbeitung, die Aufarbeitung der Fenster und Arbeiten an den Bodenbelägen, die vorab nicht eingeplant waren."

Am 15. Oktober will der Stadtrat bei einer Sitzung darüber entscheiden, ob weitere Mittel bewilligt werden oder nicht. Doch was passiert, wenn das nicht der Fall ist? "Sollten die Stadträte in der kommenden Sitzung nicht zustimmen, könnten einzelne Zusatzleistungen nicht abgeschlossen werden", erklärt die Stadt. Das heißt, weitere Baumaßnahmen müssten vorerst eingestellt werden. Die Stadt versichert jedoch, dass alle angefangenen Arbeiten auch abgeschlossen werden, um den anvisierten Eröffnungstermin einhalten zu können.

Stadt gibt sich gelassen

Im Rathaus geht man fest davon aus, dass das Winckelmann-Museum im Dezember wieder öffnen wird. Die Winckelmann-Gesellschaft stelle sich bereits auf den Museumsbetrieb ein, verschiedene Ausstellungen seien in der Vorbereitung.

Im Stadtrat rumort es dagegen wegen der erneuten Mehrkosten. "Wir sind – gelinde gesagt – geschockt über diese Vorlage und den geforderten '2. Nachschlag' in Höhe von weiteren 495 000 Euro", erklärte Stadtrat Hardy Peter Güssau in einem Brief seiner CDU-Fraktion an Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU). Sowohl das Bauamt der Stadt Stendal als auch das für den Umbau zuständige Architekturbüro hätten im September 2017 vollmundig gegenüber dem Stadtrat versichert, dass keine weiteren Mehrkosten anfallen werden.

Neben einer Stellungnahme der Winckelmann-Gesellschaft liegt der Fraktion auch ein Schreiben des Architekten vor. Darin rechtfertigt sich dieser, die erneuten Zusatzkosten seien vor einem Jahr noch nicht absehbar gewesen. "Gleichwohl war meine Aussage aus heutiger Sicht übereilt und eben zu optimistisch. Sie war eine spontane Aussage auf eine mündliche Frage bei der in Rede stehenden Stadtratssitzung", schrieb der Architekt. Die CDU-Fraktion fordert nun eine umfängliche Überprüfung des Baus von einer neutralen Stelle.

Derweil hat sich auch das Land Sachsen-Anhalt in die Posse mit eingeschaltet. Wie Kulturminister Rainer Robra (CDU) sagte, sind Mitarbeiter seines Ministeriums gerade dabei, mit der Stadt Stendal nach einer Lösung zu suchen. Robra stellte aber auch klar, dass die Stadt nun gefordert ist. "Es ärgert mich persönlich, dass die Kosten gerade aus dem Ruder laufen." Man müsse nun den Ehrgeiz haben, das Museum wenigstens im zweiten Winckelmann-Jubiläumsjahr fertigzustellen, um sich nicht vor den Augen der Weltöffentlichkeit lächerlich zu machen.