Was erwartet die Leser im „Hammermord am Hansering“?

Kaufholz: Es ist erneut eine Sammlung von Tötungsverbrechen. Ich habe wiederum versucht, die Fälle in einem mehr reportagehaften Stil darzustellen und dabei ein detailreiches Bild zu zeichnen, die Motive der Täter zu beschreiben, Opfer und Zeugen zu charakterisieren. Mir kam es, wie schon in den Büchern zuvor, darauf an, einen Blick auf die Verhältnisse der DDR-Zeit zu ermöglichen, in denen die Morde geschahen.

Wie meinen Sie das?

Zum Beispiel habe ich mich bemüht, die Situation auf dem Lande, also die Zeit kurz nach der Kollektivierung, anklingen zu lassen. Aber auch auf die Möglichkeiten und Methoden der Verbrechensaufklären zwischen Ende der 1950er Jahre und dem Ende der DDR sollte ein Schlaglicht fallen.

Sie schildern sehr ausführlich den Fall des Kindermörders Joachim Säume aus Wittenberg im Jahr 1963. Was hat Sie an diesem Fall besonders interessiert?

Die Tatsache, dass der 26-Jährige nicht nur zum Tode verurteilt wurde, sondern im Juli 1964 in Leipzig auch tatsächlich hingerichtet wurde – und zwar durch die sogenannte Fallschwertmaschine. Zwischen Gründung der DDR 1949 und dem Jahr 1981 wurden mindestens 166 Menschen hingerichtet. Bis 1968 durch das Fallbeil, danach durch einen „unerwarteten Nahschuss“ in den Hinterkopf. Der Grund für den Wechsel: Nachdem die Guillotine mehrfach ihren Dienst versagt hatte und es zwei oder drei Anläufe brauchte, ehe der Delinquent tatsächlich tot war, ging man dazu über, die sowjetische Methode anzuwenden. Aufgrund von Urteilen des Bezirksgerichts Halle wurden drei Männer und eine Frau exekutiert. Das Bezirksgericht Magdeburg sprach zwei Todesurteile aus, die vollstreckt wurden.

Es fällt auf, dass sich vier der zehn Fälle mit Morden beschäftigen, bei denen Kinder die Opfer waren. Zufall?

Ich habe diesmal wirklich gezielt diese Art von Tötungsverbrechen in den Fokus genommen. Straftaten, bei denen Kinder Opfer sind, halte ich für die perfidesten Verbrechen überhaupt. Hat ein Erwachsener in der Regel noch irgendwie die Möglichkeit, sich eines Angriffs zu erwahren, ist das bei Kindern nicht der Fall.

Welcher Fall, den sie in ihren Büchern beschrieben haben, hat sie besonders betroffen gemacht?

Wie schon gesagt: Alle Verbrechen, bei denen Kinder zu Tode kamen. Ein Fall der mich bis heute sprachlos macht, ist der Mord an einem Dreijährigen im altmärkischem Jübar. 1991 hat dort ein 58-jähriger den Jungen in eine Trockentoilette auf dem Hof geworfen und danach fleißig bei der Suche nach dem Vermissten geholfen.

Was macht eigentlich Tanja Papenburg?

Sie spielen damit auf der Protagonistin in meinen zwei fiktiven Kriminalromanen an. Ihr geht es gut. Die Rechtsanwältin hat sich inzwischen selbstständig gemacht und ihr Hobby, Fälle aufzuklären, zum Job. Die ersten 40 Seiten der Fortsetzung nach „Tödlicher Skorpion“ und „Das Vermächtnis des Kommissars“ sind fertig. Sie liegen aber seit einigen Jahren auf Eis, weil ich mich erst einmal mit den authentischen Fällen aus dem Bezirk Halle beschäftige.