Basel/München (dpa) l Groß und schlaksig ist der Maler Georg Baselitz immer noch. Doch kurz vor seinem 80. Geburtstag schlottert der Anzug ein bisschen.

„Mit kleinen Formaten kannst Du nichts werden“ – so habe er lange gedacht, sagt er jetzt. Die jüngsten Werke jedoch kommen in bescheideneren Formaten daher. Heute wird Baselitz 80 Jahre alt.

"Ich habe extreme Angst"

Der Künstler ist auch Geschäftsmann. Er bedauere, dass er nicht mehr Bilder in seiner berühmten Helden-Serie gemalt habe, das hätte viel Geld gebracht. Bis heute treibe ihn die Angst des Scheiterns um: „Ich habe extreme Angst, weil ich nach wie vor nicht sicher bin.“ Da spricht ein Mann, dessen oft mit grobem Strich skizzierten Bilder heute für Millionenbeträge verkauft und versteigert werden und die in Museen weltweit hängen.

Der Sachse, geboren als Hans-Georg Kern, erinnert mit seinem Künstlernamen an den Geburtsort Deutschbaselitz. Er fing als Teenager mit dem Malen an. „Beim Bildermalen hatte ich ein Gespür, dass ich etwas hatte, das man Talent nennt“, sagt er.

Mit seinem Widerspruch gegen alles Herkömmliche brüskierte Baselitz die Lehrer und flog wegen „gesellschaftlicher Unreife“ von der Kunsthochschule in Ost-Berlin.

Künstler sorgt für Eklat

Bei seiner ersten Ausstellung im Westen 1963 in Berlin sorgte Baselitz für einen Eklat. Die Ölbilder „Nackter Mann“ (mit einem überdimensionalen Penis) und „Die große Nacht im Eimer“ (mit einem onanierenden Jungen) wurden beschlagnahmt, ein Gerichtsverfahren aber später eingestellt.

„Mist“ nennt er seine Kunst von damals heute bei der großen Werkschau in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. „Was ich in dieser Ausstellung sehen kann: der größte Mist, den ich gemacht habe 1963, der hängt jetzt hier so wunderbar da. Aus den nur aggressiven und bösen Bildern sind im Laufe der Jahre gute Bilder geworden.“

Kopfstand wird zum Markenzeichen

1969 entstand mit „Der Wald auf dem Kopf“ das erste „Umkehrbild“. Er selbst sprach vom „dritten Weg“ zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. In seinen „Heldenbildern“ (1965) bezog er sich auf den Krieg, den er als Kind erlebte – die „Helden“ wanken als kaputte Gestalten in zerlumpten Uniformen, denen vom Heroismus nicht viel geblieben ist.

Als 2015 das deutsche Kulturgutschutzgesetz verschärft werden sollte, um die Ausfuhr von Werken mit nationaler Bedeutung zu erschweren, ließ er aus Protest seine Leihgaben in deutschen Museen abhängen, nahm zusätzlich zur deutschen die österreichische Staatsbürgerschaft an. Heute lebt er am Ammersee bei Salzburg.

In Riehen sind aus dem Jahr 2017 eine Reihe Porträts zu sehen, typisch Baselitz: auf dem Kopf. Viele sind nur gut 1,20 Meter mal 80, 90 Zentimeter groß – nichts im Vergleich zu den großen Werken von früher.

Trotz seines Alters käme Aufhören nicht in Frage. „So lange ich noch malen kann, findet etwas statt“, sagt Baselitz.