Wie ein geknüpfter Teppich – in warmen Tönen und mit Pflanzenmustern – liegt er zu Füßen. Der Boden des großen Saales in Potsdams Neuem Palais ist aber aus dem spröden Werkstoff Marmor. Fast für die Ewigkeit gedacht, braucht er nun doch eine gründliche Kur.

Von Gudrun Janicke

Potsdam (dpa). Er wiegt 90 Tonnen, ist 600 Quadratmeter groß und liegt auf 128 dicken Holzbalken – feinster Marmor, meisterlich in Intarsien gelegt: Der Fußboden im Marmorsaal des Neuen Palais von Potsdam-Sanssouci ist ein außergewöhnliches Kunstwerk. Der Zahn der Zeit nagte, aber auch Fehler, die schon beim Bau Mitte des 18. Jahrhunderts gemacht wurden, traten immer stärker zutage.

Nun könne das Meisterwerk saniert werden, sagte Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, in Potsdam. Zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich II. 2012 soll der Raum wieder erstrahlen. In den vergangenen Jahrhunderten wurde der Boden, der sich wie ein ornamentaler Teppich präsentiert und zu den herausragenden Beispielen des friderizianischen Rokoko zählt, buchstäblich mit Füßen getreten. Das Neue Palais ist das größte Bauwerk im Park Sanssouci. Es wurde von 1763 bis 1769 errichtet und diente Friedrich dem Großen zur Repräsentation und als Gästeschloss.

Von den 630 Räumen – vom Keller bis zum Dach – können etwa 60 besichtigt werden. Etwa 4,4 Millionen Euro werden nun nach Angaben von Dorgerloh für den Marmorfußboden und die Decke des darunter liegenden Muschelsaales ausgegeben. Für die Grundsanierung des Schlosses bis 2017 werden etwa 26 Millionen Euro veranschlagt.

Die Sanierung des Marmorfußbodens stellte die Restaurierung nun vor besondere Herausforderungen. Bereits vor zwei Jahren war der Saal baupolizeilich gesperrt worden. Aufgrund der desolaten Situation drohte Gefahr für den Muschelsaal. Gerüste sollen dort Besucher vor eventuell herabfallenden Teilen schützen. Erst Untersuchungen mit Kameras – wie aus dem Kanalbau bekannt – gaben Klarheit über den Zustand der Bodenkonstruktion. "Wir haben in jede Öffnung geschaut", sagte Architekt Volker Thiele.

Anschließend sei alles kartiert und wieder wie ein Puzzle zusammengesetzt worden. An zwei Stellen werden nun Teile durch Kunststoffkonstruktionen ergänzt. Dann können auch fehlende Marmorteile ersetzt oder neu eingesetzt werden.

"Wie dünnes Eis auf einer Pfütze"

Stefan Klappenbach, Leiter des Bereiches Natursteinrestaurierung, dazu: "An manchen Stellen ist es wie dünnes Eis auf einer Pfütze." Es seien Marmorplatten von wenigen Millimetern bis zu zwei Zentimetern Dicke verwendet worden. "Wir müssen alles vorsichtig anfassen."

Für das Übel des Fußbodens ist eigentlich Bauherr Friedrich II. selbst verantwortlich. "Als Konjunkturpaket nach dem Siebenjährigen Krieg ließ er das Palais bauen", erläuterte Dorgerloh. Es sollte schnell gehen, der Marmor wurde auf einer unebenen Decke verlegt und erst im Anschluss geschliffen. Dabei drang jedoch Wasser ins Gebälk. Der Preußenkönig folgte auch nicht dem Rat seines Architekten für eine Ziegelkonstruktion über dem Muschelsaal. Die hätte aber auf mehr als vier Pfeilern liegen müssen. Und das gefiel dem König vom ästhetischen und künstlerischen Standpunkt her ganz und gar nicht.

Ab 2012 können Besucher wieder den Marmorsaal betreten – auf einem Weg aus Plexiglas rund um den Raum. Der Saal soll nur noch zum Putzen oder für den Wechsel einer Glühbirne im Kronleuchter betreten werden.

Kunstbegeisterte können sich aber ein Stückchen Fußboden sichern – über eine Spende. Ein Quart – ein altes Papiermaß – kostet 40 Euro. Von den etwa 7500 Quarts sind bereits 720 "verkauft", bisher wurden 28000 Euro an Spenden eingenommen.