Magdeburg l Es ist faszinierend, wie die musikalische "Handschrift" des Dirigenten einem Klangkörper anzuhören ist - so erlebt im Sinfoniekonzert der Magdeburgischen Philharmonie. Der japanische Dirigent Hiroshi Kodama führte mit einer beeindruckenden Stilsicherheit und empfindsamer Suggestion durch das Konzertprogramm. Die schwedische Sopransitin Anneli Lindfors ergänzte die Internationalität an diesem Abend.

Ein frisches kleines Meisterwerk erklang als solches gleich zu Konzertbeginn, Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie Nr. 32 G-Dur KV 318. Wie Mozart mit Stilen und Formen experimentierte, hatte Gastdirigent Hiroshi Kodama mit den Musikern der Magdeburgischen Philharmonie hervorragend herausgearbeitet. Zahlreiche Tutti-Crescendi, Tremoli sowie extreme Forte-Piano-Wechsel und klangfarbige Bläsereinwürfe zeugten davon. Die drei nahtlos ineinanderfließenden Sätze waren dadurch so spannend und klar musikantisch gespielt, dass es Freude machte.

Die schwedische Sopranstin Anneli Lindfors war an der Magdeburger Opernbühne bereits mehrfach zu erleben. Sie erarbeitet sich derzeit ein breites Bühnenspektrum. Im Sinfoniekonzert sang Lindfors die "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss, die dieser 84-jährig im Schweizer Exil schrieb als mögliche Geste des Abschiednehmens von dieser Welt.

Anneli Lindfors\' lyrisch-dramatischer Sopran bediente die Stimmung der Lieder gut. Die "Vier letzten Lieder" verlangen der Sängerin einiges ab: einen großen Stimmumfang und langen Atem ob der weit komponierten Melodiebögen. Als letztes der Lieder stand Joseph von Eichendorffs Gedicht "Im Abendrot", in dem ein wandermüdes altes Paar auf das gemeinsame Leben zurückblickt. Dies war die längste Vertonung mit ebenso ausschweifenden Orchesterparts. Hiroshi Kodama hielt sensibel die Zügel zwischen der Solistin und dem begleitenden Orchester in der Hand. Kompliment an die Blechbläser. Trotz Anneli Lindfors\' schöner dramatischer Wärme im Stimmtimbre reichte die Kraft vermutlich nicht ganz, um zu beseelen.

Gastdirigent trug den Triumpf des Abends davon

Den Triumpf des Abends trug schließlich der Gastdirigent Hiroshi Kodama für sich nach Hause respektive die Philharmoniker unter seiner Leitung. Um es vorweg zu nehmen: Die Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 55 von Alexander Glasunow löste einen minutenlangen Begeisterungssturm des Konzertpublikums aus.

Glasunows Sinfonien gehören in deutschen Konzertsälen zu den selten gespielten Werken - wenn, dann die 5. B-Dur op. 55 mit den Beinamen "Heroische". In das Gespür des Komponisten für fließende Musik und gefühlvolle Melodik, beinahe impressionistische Instrumentation und polyphone Durchdringung fand sich die Magdeburgische Philharmonie beeindruckend hinein.

So im tiefen Bläser- und Streicherunisono des heldenhaften 1. Satzes, die spielerischen Holzbläser über luftig zupfenden Streichern, im langsamen 3. Satz mit melancholisch-schwärmerischen Geigen und im pompösen breit angelegten russischen Finale. Kodama gelang - auswendig dirigiert - eine fantastische Mischung aus punktgenauem Dirigat und epischer Emotionalität. Und die Philharmoniker setzten dies mitreißend um.