Über 400 große und kleine Zuschauer haben am Sonnabend in Stendal die Premiere von "Frau Holle" erlebt. Am Ende gab es stürmischen Beifall für das diesjährige Weihnachtsmärchen.

Stendal. Das Leben für Marie (Frederike Duggen) ist sehr eintönig: ihre Stiefmutter (Wieslawa Wesolowska)) sitzt den ganzen Tag auf dem Sofa. Nur in ihrer Bewunderung für Mariechen, ihre leibliche Tochter, kommt Leben in sie. Mariechen (Cynthia Thurat) wiederum sitzt den ganzen Tag vor ihren Lieblingssendungen oder ihrer Spielekonsole.

Gummitwist findet sie blöd, so wie alle anderen Sachen, bei denen sie in Schweiß geraten könnte. Nur ihre einstudierten Tanzbewegungen spult sie andauernd wieder ab, denn sie träumt von einer großen Karriere als Showstar. Und sie kann sogar wirklich singen, doch ihre Lieder sind so oberflächlich wie sie selbst. Sie besitzt nur ein echtes Spielzeug: einen Roboter. Mit ihm spielt sie manchmal recht grausame und zerstörerische Spiele.

Maries Lieblingsspielzeug ist ein rosafarbener Teddy. Ihm kann sie ihre Gefühle anvertrauen. Und mit ihm kann sie kuscheln, wenn sie ihre vielen Aufgaben im Haushalt erledigt hat.

Regisseur Bernd Plöger zeigt den Alltag dieser drei Personen wie in einer Endlosschleife: Die gleichen Handlungen immer und immer wieder. Das Bühnenbild (Christof von Büren) ist ebenso grau und trostlos. Dann springt Marie in den Brunnen und wie von "Zauberhand" erscheint die farbenfrohe, märchenhafte Welt der Frau Holle (ebenfalls von Wieslawa Wesolowska gespielt). Das "Oh", das aus Hunderten von Kinderkehlen ertönte, füllte den gesamten Theatersaal. Hatten die Kinder doch nicht bemerkt, dass diese scheinbar soliden Wände nur Vorhänge waren, die in Windeseile die wunderschönen Gärten der Frau Holle freigeben konnten.

In der Stendaler Inszenierung sind einige zusätzliche Figuren eingebaut worden, die für großen Spaß unter den jungen Zuschauern sorgen: Zum Beispiel die zwei windigen Schneeballverkäufer. In den Zeiten, da keine fleißige Marie bei Frau Holle arbeitet, ist der Schnee knapp geworden! Diese zwei gewitzten Burschen verkaufen also Schneebälle für eine Schneeballschlacht. Natürlich ziehen sie so den Leuten nur das Geld aus den Taschen. Die Kunden finden später lediglich ein bisschen zerbröckelten Schnee in ihrer Kühltasche. Auch Teddy und Robbie, der Roboter, gehören zu diesen eingefügten Figuren. Die Spielzeuge werden nämlich jeweils beim Sprung in den Brunnen lebendig. Sören Ergang und Adam Veil schlüpfen mit einer großen Wandlungsfähigkeit in all diese Charaktere.

Regisseur Bernd Plöger und Dramaturg Sascha Löschner lassen ihr Märchen versöhnlich enden. Goldmarie reicht Pechmarie am Ende die Hand und bietet ihr an, alles zu teilen. Sie singen zusammen, und es scheint, als ob sie mit ihren gemeinsamen Auftritten wirklich zu Ruhm kommen könnten. Wer weiß! Im Märchen ist ja alles möglich.

Das Theater der Altmark bietet mit "Frau Holle" Unterhaltung für Groß und Klein. In diesem Märchen wird Modernes mit den klassischen Elementen des Märchens verknüpft. Die schwungvolle Musik (Sebastian Kemper) und die durchweg überzeugenden Darsteller tun ihr Übriges, um das Publikum für eine gute Stunde in den Bann zu ziehen.