Als rothaariger, zerstreuter Professor und händefuchtelnder Spezialist der halbfertigen Sätze hat er es ins deutsche Fernsehen geschafft. Doch der Komödiant Piet Klocke kann einiges mehr. An diesem Freitag tritt er in Magdeburg auf. Julia Schneider hat mit ihm gesprochen.

Volksstimme: Herr Klocke, worum geht es in Ihrem aktuellen Buch, aus dem Sie in Magdeburg lesen?

Piet Klocke: Es ist ein Sammelsurium aus Bildergeschichten, Gedichten, Aphorismen und auch kleinen Sprüchlein. Ja, es sind auch wissenschaftliche Behauptungen darin, die vielleicht im ersten Moment nicht ganz recherchiert aussehen, sowie philosophische Betrachtungsweisen.

Volksstimme: In Ihrem Buch finden sich Sätze wie "Fernsehen ohne Werbung gibt es heute nur noch während der Darmspiegelung" oder "Unterwäsche aus Papier hat den Vorteil, man kann die verschmutzte Wäsche der Wäscherei zufaxen". In welchen Situationen fällt so etwas ein?

Klocke: Spontan. Eine Darmspiegelung wurde bei mir schon gemacht. Während der Sache an sich ist man natürlich nicht in der Lage, auf Ideen zu kommen. Aber danach dachte ich schon "Mein Gott, fehlt nur noch, dass da auch irgendwann mal Werbung kommt". Viele Menschen denken gar nicht mehr darüber nach, dass wir nur noch beworben werden. Heute Morgen wollte ich zum Beispiel nur mal meine Mails auf dem Handy ansehen. Auf der Internetseite habe ich dann erstmal fast vier Minuten die Werbung weggedrückt. Also ich gehöre noch zu einer Generation, die sich über so etwas aufregt!

"Es gibt auch Stellen im Buch, bei denen ich begeistert hüpfe."

Volksstimme: Haben Sie Lieblingsstellen in Ihrem Buch?

Klocke: Man soll sich ja nicht selbst loben. Aber es sind einige Sachen dabei, bei denen ich begeistert hüpfe, auch geistig, weil ich denke "was für eine schöne Vorstellung". Weil ich ja, und das wissen vielleicht nicht ganz so viele Menschen, ganz romantisch und sentimental bin.

Volksstimme: Sie waren ja nicht nur mit Ihrer Fernsehfigur des Professors Schmitt-Hindemith erfolgreich. Sie standen bereits als Jazzmusiker auf der Bühne, haben Filmmusik geschrieben.

Klocke: Ja, die meisten, denen ich erzähle, dass ich mit den Prager Sinfonikern gearbeitet habe, denken, dass ich einen Witz mache. Das ist wohl das Schicksal von Komödianten. Denen wird ganz selten etwas anderes zugetraut. Bei Loriot war das der Fall. Wir haben uns oft über Wagner unterhalten. Und was er darüber alles wusste, das war wahnsinnig!

Volksstimme:Mussten Sie sich an einem Punkt in Ihrem Leben zwischen Musik und Komikerdasein entscheiden?

Klocke: Ich bin immer schon Komiker gewesen. Ich habe sozusagen Mutterwitz. Dass ich den Humor nicht immer auf der Zunge trage, zum Beispiel bei seriösen Sachen wie der Filmmusik, ist klar. Das kann ja beides nebeneinander bestehen.

"Offenbar war die Zeit damals reif für diese ganze Komödien-Welle."

Durch Zufall wurde ich mit meinem Humor bekannt. Offenbar war die Zeit damals gerade reif für diese ganze Komödien-Welle.

Volksstimme: Sie haben auch geschauspielert und Filme synchronisiert. Gibt es etwas, das Sie unbedingt noch machen wollen?

Klocke: Besonders als freischaffender Künstler muss man ja eine finanzielle Basis haben, damit überhaupt die eigene Arbeit entstehen kann.Aber dieses Ziel habe ich so kurz vor dem Jahrtausendwechsel erreicht und seitdem mache ich eigentlich das, was ich möchte. Das ist überhaupt der größte Luxus, den man sich denken kann. Und wenn man dann noch dazu gesund ist, mein Gott, ich glaube, weiter kann man gar nicht in die Höhe klettern.

Volksstimme: Am Freitag werden Sie in Magdeburg aus Ihrem Buch lesen. Haben Sie spontane Assoziationen mit der Stadt?

Klocke: Ich war schon häufiger in Magdeburg. Als es noch die Grenze zwischen Ost und West gab, ist mir auf dem Weg von Berlin mal ein Reifen an meinem Saab geplatzt. Die Situation war mit schwierigen Fragen verbunden: "Hilft hier auch der ADAC?" und "Darf ich überhaupt von der Autobahn runterfahren, ohne Ärger mit der Polizei zu bekommen?" Es dauerte zwar den ganzen Tag, bis ich schließlich abgeholt wurde. Schön war aber, dass wider Erwarten alles locker über die Bühne ging, ohne dass plötzlich zwei Staaten gegen- einander antraten.

"Stefan Kretzschmar ist toll. Aber mir ist Handball zu hart."

Die zweite spontane Assoziation zu Magdeburg ist der tolle Handballspieler Stefan Kretzschmar. Auf dem Gymnasium habe ich damals selbst aktiv Handball gespielt, wir waren sogar zweiter deutscher Schülermeister. Mittlerweile habe ich damit nichts mehr zu tun. Der Sport wird ja immer härter. Seitdem ich das Abitur gemacht habe, spiele ich eher Fußball, allerdings als Hobby zweimal in der Woche. Als ich damals in die Mannschaft kam, in der ich heute auch noch spiele, fragte man mich "Mein Gott, du bist so lang, wieso spielst du denn Fußball?" und ich antwortete "Handball ist mir zu hart, beim Fußball kann ich mich so schön ausruhen".