Paris (dpa). Der französische Literaturpreis Prix Goncourt geht in diesem Jahr an Michel Houellebecq für seinen Roman "La carte et le territoire" (etwa: Die Landkarte und der Landstrich). Die gestern von der Jury bekanntgegebene Auswahl des Bestseller- und Skandalautors war keine Überraschung. Denn der Schriftsteller wurde bereits seit Wochen als Favorit für den Preis gehandelt.

Im Mittelpunkt des Romans steht der Maler Jed Martin, der den Text für seinen Ausstellungskatalog von einem weltweit berühmten Schriftsteller verfassen lassen möchte, wobei er an Michel Houellebecq denkt. Die Geschichte endet mit der Ermordung Houellebecqs.

Der auf der Insel La Réunion – im Indischen Ozean – geborene Autor , der schon seit Jahren auf der Goncourt-Liste steht, hat es endlich geschafft. Er wurde von der Jury sofort im ersten Wahlgang gewählt. Die Entscheidung sei in weniger als zwei Sekunden gefallen, wie der Sekretär der Académie Goncourt, Didier Decoin, mitteilte.

Mit sieben Stimmen gegen zwei stach das Enfant terrible, das in seinen Werken gern provoziert, Virginie Despentes mit "Apocalypse bébé" aus. Die Autorin, die auch in Deutschland mit "Baise-moi – Fick mich" von sich reden machte, erhielt den gleichzeitig verkündeten "Prix Renaudot". Houellebecq hat sich mit kulturpessimistischen und provozierenden Romanen einen Namen gemacht. Auf Deutsch sind von ihm bereits "Ausweitung der Kampfzone", "Elementarteilchen", "Plattform" und "Die Möglichkeit einer Insel" erschienen. Sein jüngster Roman soll bei DuMont voraussichtlich 2011 in Deutsch veröffentlicht werden.

Der Preis wurde erstmals 1903 vergeben. Er ist mit symbolischen 10 Euro dotiert, gehört aber zu den begehrtesten Literaturpreisen Frankreichs. Denn die Auszeichnung erhöht die Auflage des preisgekrönten Werks in der Regel stark.