Noch immer zählen seine Filme zu den Klassikern des Fernsehprogramms. Kurt Hoffmann (1910-2001) war neben Helmut Käutner und Wolfgang Staudte einer der wichtigsten Regisseure der 50er Jahre. Vor 100 Jahren, am 12. November 1910, wurde er in Freiburg geboren.

Von Rudolf Worschech

Frankfurt am Main (epd). Ganze Generationen sind mit Komödien wie den Erich-Kästner-Verfilmungen "Das fliegende Klassenzimmer" und "Drei Männer im Schnee" groß geworden, mit "Ich denke oft an Piroschka", "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" nach Thomas Mann und mit "Das Wirtshaus im Spessart". Hoffmann machte Filme für die ganze Familie – und sie waren durchaus ambitioniert für das deutsche Nachkriegskino.

In einer Zeit, in der Lustspiele meist als Klamotten oder Heimatschwänke daherkamen, inszenierte er Komödien mit einer Begabung für leise Töne. Die Heiterkeit seiner Filme entspringt selten allein den Gags, sie ist die Grundstimmung seiner besten Werke. Seine Filme transportierten "Humor aus dem Herzen", wie er selbst sagte.

Großes Gespür besaß er auch bei der Besetzung der Rollen. 1952 entdeckte Kurt Hoffmann für den Revuefilm "Klettermaxe" Liselotte Pulver, die bald darauf zu einem der ganz großen Stars des bundesdeutschen Kinos avancieren sollte.

1951 drehte er "Fanfaren der Liebe", die abenteuerliche Geschichte zweier Musiker in einer Damenkapelle. Hoffmann besetzte die Rolle des einen Musikers mit Dieter Borsche, dessen ungewohnt feminine Aura auch dem Lustspielklischee "Männer in Frauenkleidern" einiges an ungeahntem Witz abgewinnen konnte.

Das Filmemachen hatte Hoffman von der Pike auf gelernt. Der Sohn des Kameramanns Carl Hoffmann begann seine Karriere als Volontär 1931 bei Eric Charells "Der Kongress tanzt". Er war Regieassistent bei Wolfgang Liebeneiner, Gustav Ucicky, Heinz Rühmann und bei Reinhold Schünzel, den er immer als seinen Lehrmeister bezeichnet hat.

1939 entstand sein erster langer Film, "Paradies der Junggesellen" mit Heinz Rühmann. Mit Rühmann drehte er auch seinen größten Erfolg vor Kriegsende, die Komödie "Quax, der Bruchpilot" (1941).

Doch es gibt nicht nur den Kurt Hoffmann der Lustspiele und der leichten Hand. In der unmittelbaren Nachkriegszeit realisierte er drei heute weitgehend unbekannte, düstere Filme: "Das verlorene Gesicht" (1948) behandelt einen Fall von Bewusstseinsspaltung. "Stadt im Nebel" (1949) schildert einen Mord und dessen Aufklärung in einer klaustrophobischen Atmosphäre. Und "Der Fall Rabanser" (1950) schließlich scheint in seinen Bildern von nächtlichen regennassen Straßen und schrägen Stadtansichten fast an der "Schwarzen Serie" Hollywoods orientiert.

In seinen späteren Filmen bemühte sich Hoffmann oft um Satire und Zeitkritik. Schon in "Das Wirtshaus im Spessart" sang das Kabarettistenduo Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller verschmitzt und ironisch das Couplet "Ach wär‘ ich doch ein braver Bürger". Mit "Wir Wunderkinder" (1958) gelang ihm einer der wichtigsten Filme der 50er Jahre, die Geschichte zweier "typischer" Deutscher vom Kaiserreich bis zur Adenauerzeit. Auch seine "Spessart"-Fortsetzungen "Das Spukschloss im Spessart" (1960) und "Herrliche Zeiten im Spessart" (1967) enthielten Anspielungen auf die Bonner Politik.

An seine frühen Erfolge konnte Hoffmann jedoch nie mehr anknüpfen. Das Konzept der Unterhaltung für die ganze Familie zog nicht mehr. "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung" (1968) hieß einer seiner späten Filme. Aber in den 60er und 70er Jahren war die Welt nicht mehr in Ordnung, zumindest nicht für das Kino des Kurt Hoffmann.

Der Film "Der Kapitän" (1971) wurde sein letztes Werk. Und wenn man diesen Film heute sieht, merkt man, dass er eine Pioniertat war: Er ist gewissermaßen die Fernsehserie "Das Traumschiff" im Kleinen. In den 90er Jahren drehte Christian Bauer einen klugen Dokumentarfilm über den damals fast schon vergessenen Hoffmann: "Humor ist eine ernste Sache". Am 25. Juni 2001 starb Kurt Hoffmann in München.