Frank Hengstmann und Bernd Kurt Goetz haben schon oft gemeinsam Kabarett gespielt, standen jetzt aber Jahre nicht mehr zusammen auf der Bühne. Ihr neues Programm "Dick & Doof, aber gesund" hatte am Donnerstag im Kabarett "…nach Hengstmanns" am Magdeburger Breiten Weg Premiere.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Dieses Programm beginnt mit einer Panne. Das Duo ist nicht komplett nach dem "Klingelzeichen drei!". Bernd Kurt Goetz sieht sich genötigt, gleich zu Beginn die Pause zu geben. Wie in anderen seiner Programme schickt er sich an, sich als Pause unter das Publikum zu mischen, als Hengstmann doch hereinkommt ins heimische Kabarettlokal. Und nun reichen Andeutungen, damit sich ein wirklich rasantes Wortfeuerwerk entfalten kann.

Beide kennen sich gut, fallen einander virtuos ins Wort, missverstehen sich auf gekonnte Weise und werfen mit Anspielungen um sich. Auch die Zuschauer kennen schon einiges von dem Angedeuteten, aber doch sind es durchaus Neuigkeiten, die hier sehr amüsant über die Rampe kommen. Hengstmann nämlich erlebte eine Art Déjà-vu auf seiner Herreise aus Helmstedt: Alles wieder da, Grenze und Kontrolle, Emblem in steinerner DDR-Fahne und 100 Euro Begrüßungsgeld von West nach Ost.

Natürlich muss sich der Zuspätgekommene des entschiedenen Unglaubens des Wartenden erwehren, und bereits hier fliegen die allerschönsten und auch einige etwas derbere Kalauer fröhlich hin und her.

Die Entschlüsselung der Wahrnehmungsstörung liegt darin, dass am Originalschauplatz mit Originalstatisten ein Film gedreht wurde, einer von so unendlich vielen, die zum 20. Jahrestag mit dem Ziel gedreht werden, den Nachgewachsenen immer noch erklären zu wollen, wie sie wirklich war, die Gewesene.

Die Kabarettisten entschließen sich auch zu einer cineastischen Aufarbeitung und beginnen nach dem Motto "Vom Breiten Weg zum Broadway" mit der heimischen Kabaretttradition zu brechen und Filme zu drehen. Bei der Suche nach einem werbewirksamen Markenzeichen einigen sie sich auf eine Neuauflage von "Dick und Doof", was aber zu der drängenden Frage führt: Wer ist wer? Vor allem geht der Streit darum, wer denn doof ist oder noch doofer. All diese Scharmützel werden als klassische Doppelconférence ausgetragen mit gemischten Rollen allerdings, denn beide sind ja so doof, dass es keiner bemerkt, dass sie auch dick sind, aber gesund!

Das Spiel nun mit den Filmversuchen ergibt einen Rahmen, in dem auch noch Nummernkabarett untergebracht wird. Auch hier verstehen es Hengstmann und Goetz, virtuos zu balancieren. Sie bringen Altbekanntes, eine klassische Trunkenheitsnummer – Saufen für Deutschland – etwa, und sogar Thomas Freitags Selbstbedienungschirurgie … In all dem finden sich immer wieder sehr intelligente und aktuelle Pointen, viele wunderbar-frische Wortspiele und viel Musikkabarett, etwa, wenn Frank Hengstmann den Kanzlern des vereinten Deutschlands Musikinstrumente zuweist.

Schröder spielt Klampfe

Zu Helmut Kohl, der "Abrissbirne der ostdeutschen Wirtschaft", kann nur der Kontrabass passen, aber die Instrumente werden kleiner, denn Schröder spielt nur noch Klampfe, die sich kaum mehr an kämpferische Arbeiterlieder erinnert, sondern schon ein bisschen zu Putins Balalaika umgeschult hat. Bei Angela Merkel ist das Saiteninstrument auf die zarte Ukulele geschrumpft.

Wunderbar auch Goetz, wenn er als arbeitsloser Philosoph auf der Arbeitsagentur zum Chorsänger umgeschult werden soll. Das ist so erfolgreich, dass der neue Sänger mit dem Klassiker "100 Mann und nur ein Job…" die Gäste im kleinen Zuschauerraum fast von den Stühlen singt.

Schließlich durften in dem sehr vielseitigen, aber auch ein wenig langen Programm die altbekannten Bühnenfiguren beider Kabarettisten nicht fehlen. Hengstmanns Urmachteborjer Manni Fest trifft auf den vogtländischen Hartmut von Goetz, der den Vurelbeerbaam ins Magdeburger Flachland importiert.

Diese "Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturkreise" wurde dann zum abschließenden Höhepunkt eines Programms, das im Ganzen sehr klug getextet, wunderbar gekonnt gespielt, von den Hengstmann-Söhnen Sebastian und Tobias dicht und mit Rhythmusgefühl inszeniert wurde. Einzige Schwäche vielleicht, die aber am Premierentag verzeihlich war, dass es neben der feinen Satire auch reichlich Albernheiten und manche Grobheit gab.