Braunschweig (dpa). Je genauer er eine Ortschaft, sein hessisches Milieu oder eine Person ins Auge fasst, umso mehr weitet sich der Blick ins Allgemeine – mit dieser Art, die Welt zu erfassen, hat der Frankfurter Schriftsteller Andreas Maier die Jury für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2010 beeindruckt.

Der 43-Jährige erhielt die mit 30000 Euro dotierte Auszeichnung gestern in Braunschweig für seinen Roman "Das Zimmer". "Andreas Maier ist ein Meister der literarischen Nahaufnahme", befand die Jury. Der Raabe-Preis gehört mit 30000 Euro zu den höchstdotierten Literatur-Preisen in Deutschland.

In seinen Büchern hat der aus dem mittelhessischen Bad Nauheim stammende Maier sich immer wieder mit seiner Heimat auseinandergesetzt. Mit "Wäldchestag" – so heißt das traditionelle Volksfest in Maiers Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen – wurde er vor zehn Jahren zum "Shootingstar".

Nach Romanen wie "Kirillow" oder "Sanssouci", die zumindest in Teilen in seinem Wohnort Frankfurt spielen, folgte mit "Onkel J." sein bisher skurrilstes Buch. In seinem nun ausgezeichneten Werk ist sein Onkel ebenfalls eine zentrale Figur. Das Buch ist Erinnerungsporträt und Roman zugleich, der Beginn einer großen Familiensaga.

Maier gehört zu den eigenwilligsten Autoren seiner Generation, der sich üblichen Einordnungen entzieht. Die Jury befand, dass die von ihm beschriebene romantische Sehnsucht nach einem naiven Weltverhältnis nie sentimental, sondern immer in einer ironischen Schwebe bleibe, ohne jemals die Würde einer Figur zu schädigen.

Maier könne eine ganze Welt von beiläufigen Reden, Gerüchten, vom sozialen Klima her aufschließen. Und dabei gelinge es ihm, die Verbindung dieser Alltäglichkeiten mit der Frage nach der Herkunft und dem Ziel des Lebens zu verbinden.