Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Auf der Bühne stehen Kartons und auf der Videowand erscheinen alte Plakate und Fotografien. Thomas Freitag hat von der Rentenstelle mal wieder Post bekommen, eine Aufforderung, seine Qualifikationen und Arbeiten aus einem fast ganzen Arbeitsleben nachzuweisen. Dazu muss er Vergangenheitsforschung betreiben, und diese teilte er in dieser Woche an zwei ausverkauften Abenden mit dem Publikum der "Magdeburger Zwickmühle".

Aus seinen Kellerkisten förderte der Kabarettist schlagende Beweise seiner Arbeitstätigkeit seit 1976 zu Tage, Kabarettnummern und Spielszenen, die zum großen Teil zu echten Klassikern der politischen Satire geworden sind. Aber neben den Paradenummern fanden sich auch weniger bekannte Szenen, auch solche, die länger als die letzten 35 Jahre zurückgreifen.

Thomas Freitag lässt seine großartigen parodistischen Spielszenen, etwa die, in der sich Willy Brandt und Herbert Wehner mitsamt dem "Mittelsmann" Strauß ein Zimmer im Altenheim teilen oder die wirklich makabere Geschichte vom Selbstbedienungskrankenhaus so ablaufen, als wären sie tagesaktuell, ohne eine Spur von Routinestaub. Er präsentiert sich als meisterlicher Schauspieler, und diesem Umstand ist es zu verdanken, dass sich Zuschauer unterschiedlicher Generationen auch in historischen Satiren ohne Mühe einfühlen konnten.

Es sind ja auch satirische Themen, die sich aus dem bundesdeutschen Politikbetrieb zum Teil bruchlos bis in die Gegenwart "gerettet" haben, angesichts der immer neuen und "Gesundheitsreformen" zum Beispiel oder dem Arbeitslosen-Rentnerdasein, das in der Massenproduktion von Vogelhäuschen seine Erfüllung findet. Das Tagebuch eines Rentners war eine der großen Paradenummern aus den letzten 35 Kabarettistenjahren, und es wurde auch in der "Zwickmühle" zum Höhepunkt des Abends.

Dass man die meisten der Nummern kennt, liegt nicht etwa nur daran, dass Thomas Freitag immer und überall präsent ist. Er ist eben nur das Original in Szenen, die auch andere Kabarettisten gern und nicht so selten in ihre Programme einbauen und nachspielen.

Aber einiges kann wirklich nur er, etwa "den Dicken aus der Pfalz" so zu parodieren, dass man kaum noch glauben möchte, der Altbundeskanzler habe je mit einer anderen Stimme als der von Thomas Freitag gesprochen.

"Nur das Beste" hat er aus seinen Kisten hervorgeholt. Das ist natürlich Geschmacksache, denn jedem ambitionierten Kabarettliebhaber werden sicher noch etliche andere Freitagnummern einfallen, die er in sein Das-Beste-Progamm nicht aufgenommen hat. Aber wie lang hätte der Abend dann eigentlich werden müssen?