Zur Weihnachtszeit lädt man sich gerne Gäste ein. So auch das Schauspiel Magdeburg: Das Theater unterm guten Stern, abgekürzt TugS. Der ambitionierte Theodor Stolze-Stadermann und der eher introvertierte Bernhard wollen nämlich die Weihnachtsgeschichte bieten! Aber das Vorhaben übersteigt ihre Möglichkeiten. Da hilft auch nicht das Zutun von Frau Timm. Das ist die Situation des Stückes "Der Messias" von Patrick Barlow, das am Freitag im Schauspielhaus Premiere feierte.

Magdeburg. Es agieren die Schauspieler Sebastian Reck und Bastian Reiber in vielen Rollen und Ivana Sajevic in einer. Das Werk gilt als ein Juwel der Kleinkunstbühne und als weihnachtliches Kultstück. "Dinner for one" muss im letzten Monat des Jahres nicht mehr allein seine Kreise ziehen. Das Sujet bedient die vielen Nöte eines Theaters, das aus dem Nichts heraus den erhabenen Gegenstand darbieten will: Keine finanziellen Mittel, zu wenig Akteure und limitiertes schauspielerisches Vermögen. Nur gnadenloses Improvisieren kann die Vorstellung retten.

Das Programmheft kokettiert mit dieser Ausgangssituation und allen Machern des Abends ist der Name des imaginären künstlerischen Leiters beigefügt, deshalb Regie France-Elena Damian-Stadermann, Ausstattung Achim Naumann D’Alnoncourt-Stadermann, Dramaturgie Dag Kremser-Stadermann. Nur Bernhard ist ein Fremder und ohne Stadermann, und entsprechend gehemmt wirkt er neben dem selbstbewussten Stolze-Stadermann, den Sebastian Reck im Entree souverän verkörpert. Auch die Frau Timm zählt nicht zum inneren Zirkel der Stadermanns und heißt deshalb eben nur Timm. Die Sängerin, die mit Stadermann und Bernhard befreundet ist, soll mit ihrem Gesang Höhepunkte setzen, das Geschehen um die Geburt von Jesus Christus mit einem Höchstmaß an Emotionalität zu erfüllen.

So schön Ivana Sajevic aber auch singt, die ausgewählten Lieder und die prächtigen Kostüme verhindern die Verortung in der Fabel des Stücks und damit entscheidende Wirkungsmöglichkeiten.

Die Tücken von Comedy und Boulevard

Als sich Josef und Maria das erste Mal begegnen, liegt über der Szenerie ein Schimmer dessen, welche Möglichkeiten in dem Text schlummern. Bastian Reiber als Maria und Sebastian Reck als Josef brillieren zwischen den Ebenen der Ernsthaftigkeit einer ersten Annäherung und der Kolportage der Gefühle von Menschen, die auf das Seltsamste Mutter und Vater des Heilands der Welt werden.

Aber im Gesamten des Abends wiederholen sich Momente solcher Eindringlichkeit und Heiterkeit nur selten. Die Regie verpasst permanent die Chance, mit christlicher Ikonografie zu tändeln und daraus komödiantischen Gewinn zu schlagen. Zudem meistern die Protagonisten die vielen erforderlichen Brüche nicht in dem Maße, um einen großen Spaß zu entfachen und dennoch eine bewegende Geschichte zu erzählen: den Bruch zwischen Darstellung der Geschichte und den Missständen der ärmlichen Kleinkunstbühne, den Bruch zwischen Theatralik und Animation der Zuschauer und den entscheidenden Bruch zwischen Klamauk und dem Geist dieser, im Kontext der Christenheit, einzigartigen Story. Und nur wenn dieser Nerv getroffen wird, entfaltet sich der Geist der Persiflage zu Fröhlichkeit und Komik. Bedauerlich ist auch, dass die Regie auf eine so erbarmungslose Ärmlichkeit an Requisiten und auf Verwandlungen aus einem Grundgewand drang. Denn es teilt sich lediglich die ästhetische Idee mit, aber nicht deren Wirkung. Unterschätzten die Beteiligten die Anforderungen, die eine solche Vorlage erfordert? Hoffart gegenüber Comedy und Boulevard ist vor allem handwerklich absolut unangebracht. Hier ist hohe Schule und jede Menge Fantasie angesagt.

Es bleibt die Hoffnung, dass die Inszenierung sich "warmläuft", dass die Spiellust der Darsteller und die Freude am direkten Publikumskontakt sich einstellt und auf dieser Ebene jenes Niveau entsteht, das diese kühne und schöne Verballhornung der wichtigsten Geschichte des christlichen Abendlandes auf Augenhöhe zu "Dinner for one" aufrücken ließ.