Dessau-Roßlau. "Glücklich ist, wer vergisst ..." heißt es in der Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauß, die am Sonnabendabend im annähernd ausverkauften Anhaltischen Theater Dessau ihre mit viel Beifall aufgenommene Premiere hatte. Unglücklich, weil er nicht vergessen kann, ist dagegen Dr. Falke. Vor Jahren hat ihn sein Freund von Eisenstein nach einem gemeinsam besuchten Maskenball betrunken in einem Fledermauskostüm öffentlich der Lächerlichkeit preisgegeben.

Regisseur Hinrich Horstkotte hat eine reizvoll parodierende und ironisch-hintergründige Rachekomödie mit viel Augenzwinkern auf die Bühne gebracht. In prachtvoll-schönen Kostümen (ebenfalls Hinrich Horstkotte) aus der Zeit um 1880 und ideenreichen Bühnenbildern (Martin Dolnik). Wie beim "Untergrund-Gefängnis" im dritten Akt gibt es dafür oft Spontanbeifall. Da die Handlung in Baden bei Wien spielt, spielt das Baden in realen und symbolhaft übergroßen Badewannen eine prägende Rolle. Auch hier und da als Ort erotischer "Exzesse".

Ulf Paulsen als Dr. Falke fädelt mehr im Hintergrund mephistohaft ein Verwirrspiel ein. Er lädt verschiedene Personen zum Ball beim Grafen Orlofsky ein (vergnüglich, komisch David Ameln, Clown Popov lässt grüßen). Dort trifft sich zum Amüsement mit Suff und Spiel die Hautevolee oder jene, die sich dazuzählen. Alle inkognito - mehr Schein als Sein.

Alfred (Agnus Wood als amouröser Schwerenöter) wurde schon im Vorfeld verwechselt und als Eisenstein weggesperrt. Der wirkliche von Eisenstein (Wiard Witholt sehr überzeugend als Sucher nach Liebesabenteuern) kommt und Gefängnisdirektor Frank (Kostadin Arguirov), beide als französische Edelleute. Eisensteins Stubenmädchen Adele (Sharleen Joynt stark im Gesang mit tollen Koloraturen und facettenreich im Spiel) träumt von einer Diva-Rolle, während Rosalinde von Eisenstein (Angelina Ruzzafante unter anderem mit einem beeindruckenden Csardas) als geheimnisvolle ungarische Gräfin auftritt. Ein Traum in Illusionen.

Hinrich Horstkotte bringt turbulentes Leben in den Ballsaal, wenn sonst auch hin und wieder die Handlungsabläufe etwas dahinplätschern. Der Dessauer Opernchor agiert neben Gesang mit bekannt aktivem Spiel. Orlofsky lädt sich niedliche liebebedürftige Tanzmäuschen ein. Das Ballettensemble steuert als "Ball-Beitrag" eine schnelle Polka bei.

Am nächsten Morgen im Gefängnis mit Jan-Pieter Fuhr als trink- und redseligem Gerichtsdiener Frosch weicht die Illusion der totalen Ernüchterung. Eisenstein muss bei seiner Gattin Buße tun. "Glücklich ist, wer vergisst ..." Und "nur der Champagner war an allem schuld". Vergessen, vergeben, Happy End.

Die Anhaltische Philharmonie unter Wolfgang Kluge interpretiert die feinsinnige und gleichsam mitreißende Strauß‘sche Musik mit bravourösem Engagement.