Von Ulrike Löhr

Magdeburg. Konzert und Musiktheater haben sich am Freitag im Magdeburger Opernhaus zu einem musikalisch sehr interessanten Sinfoniekonzertprogramm getroffen. Die Magdeburgische Philharmonie leitete diesmal der aus Indonesien stammende Dirigent Adrian Prabava. Die musikalischen Wege kreuzten sich zudem für zwei starke Musikerinnen: die in Detmold lebende slowakische Komponistin Olga Kroupová und die in Wien lebende russische Pianistin Lisa Smirnova.

Der erste Konzertteil gehörte den konzertanten Werken. Zu Beginn erklang ein "Bericht über den letzten Stand der Dinge" von Olga Kroupová, der 1998 unter der Leitung von Peter Ruzicka mit dem NDR-Sinfonieorchester uraufgeführt wurde. Ein sehr akzentuiertes und rhythmisches Werk mit einem anregenden Umgang mit den Klangfarben und Artikulationsmöglichkeiten eines Sinfonieorchesters.

Dadurch faszinierte das Stück mit fließenden Entwicklungen und ständiger Korrespondenz zwischen den Stimmgruppen, die sich dabei auf Adrian Prabava vollends verlassen konnten. Dass sich das Magdeburger Publikum gern darauf einließ, freute offenbar auch die anwesende Komponistin.

Im Folgenden begeisterte die außergewöhnliche Pianistin Lisa Smirnova im Schumann-Jahr mit dessen Klavierkonzert a-Moll op. 54, eines der schönsten Klavierkonzerte der Romantik. Genau das von Robert Schumann favorisierte sinfonische Miteinander von Solist und Orchester zelebrierte Lisa Smirnova. Technisch blieben keine Wünsche offen, vereint sie doch ob ihres Werdeganges sowohl russische als auch mitteleuropäische Spielkulturen.

Was die Ausnahme-Pianistin jedoch musikalisch und emotional an Einfühlung hervorbrachte, ging wohl in jeden Zuhörer tief hinein. Völlig uneitel verschmolz sie mit dem Orchester, das ebenso sanftmütig oder selbstbewusst begleitete. Smirnova korrespondierte mit den bezaubernden Holzbläsern, oder ließ sich von den homogenen Streichern tragen, baute gemeinsam mit den Musikern Bögen und Phrasen auf, voller Liebe, Klage, Sehnsucht.

Kulminationspunkt des Spektrums der Virtuosität war zweifelsohne die von Schumann selbst auskomponierte Kadenz. Dirigent Adrian Prabava hat mit wachem Ohr jegliche Nuancen in Metrum oder Dynamik von Lisa Smirnova aufgegriffen. Nur zum imposanten Finale überraschte die Solistin mit ihrer Spontaneität sowohl Prabava als auch die Philharmonie zu sehr – gerade noch mal gut gegangen.

Mit Richard Wagners Vorspiel zu "Parsifal" führte der Konzertabend in die Musiktheaterwelt. Wagner war ein Klangmaler, der hier wohl einen absolut klaren und reinen Streicherklang instrumentierte. Trotz großer Klangentwicklungen liegt da viel offen. Man hörte jede Unebenheit und Wackler, dennoch verfehlte die unisono Violinen-Celli-Linie seine beeindruckende Wirkung nicht. Prabava nutzte ein moderates Tempo, um den Wandlungen des schmerzlichen Abendmahlthemas freien Raum zu geben. Auch in den Holzbläsern stimmte diesmal die Stimmung nicht ganz. Aber das weich dosierte Blech mit glanzvollem Aufblühen riss alles raus.

Zu einem zweiten Konzerthöhepunkt wurde am Ende die Konzertsuite "Der wunderbare Mandarin" op. 19 von Béla Bartók, nicht zuletzt durch Prabavas deutliche Gestik und sicheres Metrum für die Musiker der Philharmonie. Bartóks kompromisslose Verarbeitung des musikalischen Materials in der Konzertfassung nach der skandalösen Uraufführung lebte von expressiver Clusterintonation, markanten Clusterglissandi mit Verstärkung von Klavier, Celesta, Orgel und Harfe sowie effektvollem Schlagwerk. Und so mündeten der eingangs höllische Straßenlärm und die Lockrufe des Mädchens letztlich in der kraftvoll komponierten Hetzjagd des liebenden Mandarins. Eine Dramatik und Vitalität, die mit Recht prasselnden Beifall verdiente.