Staucha (dpa) l Vor einem Jahr ist der ehemalige "Tatort"-Kommissar Peter Sodann mit seinem Bücherschatz ins sächsische Staucha gezogen. Dort entsteht in einem alten Rittergut die "DDR-Bibliothek". Doch es fehlt an Geld.

"In den Bananenkisten des Westens schlummert das Wissen des Ostens." Der Spruch stammt von Peter Sodann und der muss es wissen. Schließlich hat der ehemalige "Tatort"-Kommissar selbst Hunderte solcher Kisten ausgepackt, gefüllt mit Büchern aus DDR-Zeiten. Jetzt stehen die Werke in seiner Bibliothek im sächsischen Staucha (Landkreis Meißen). Hier sammelt er alles, was zwischen 1945 und 1989 in der DDR in den Buchhandel kam.

Auf rund 300 000 Bücher schätzt Sodann die Zahl der Werke, die geordnet und katalogisiert in den Regalen stehen, auf dem Heuboden eines umgebauten Kuhstalls. Im Lager warten noch rund 3,5 Millionen Bücher, ausgepackt zu werden - und jeden Tag gehen neue Bücherspenden ein. Sodann ärgert sich, wenn Autos auf den Hof rollen, Bücher ausgeladen werden - und die Besitzer dann nach einem kleinen Geldbeitrag fragen. "Niemand denkt daran, was es für ein Geld kostet, die Bücher zu archivieren."

Der Sachse hat für den Traum von einer eigenen Bibliothek sein Elternhaus in Weinböhla verkauft. "Mein ganzes Geld steckt hier drin", sagt Sodann und zeigt auf die ausgebaute Scheune und das kleine Wohnhaus. Bis nächstes Jahr hat er die Gebäude des ehemaligen Rittergutes von der Gemeinde mietfrei gepachtet.

"Die Bücher sind nach der Wende tonnenweise auf Mülldeponien entsorgt worden."

Seit vielen Jahren sammelt Sodann Bücher aus DDR-Zeiten. "Die sind nach der Wende tonnenweise auf Mülldeponien entsorgt worden. Eine Vernichtung von Kulturschätzen", schimpft der Bücherfreund.

Auch die heutige Generation soll eine Vorstellung davon bekommen, was zu DDR-Zeiten alles geschrieben und veröffentlicht wurde. "Es kommen Studenten und Doktoranden, forschen hier vor Ort", erzählt Sodann, der den Kontakt zu Universitäten und Bibliotheken ausbauen will. Über das Antiquariat gibt es rund 35000 Bücher zu kaufen, viele werden ins Ausland verschickt - etwa nach Japan oder Kanada. Die Palette reiche von Karl Marx über Stalin bis hin zu Simonow. Die Einnahmen daraus fließen in den Ausbau der Bibliothek.

Peter Sodann ist auf Spenden angewiesen, er wirbt im Internet für seine Bibliothek, rührt bei Veranstaltungen die Werbetrommel. Große Summen fließen selten. "Es sind eher die kleinen Leute, die spenden", erzählt der 77-Jährige. Gut ein Jahr nach der Eröffnung ist er mit seiner Bibliothek zufrieden: Die Regalreihen füllen sich, seit diesem Jahr wird in der Scheune endlich Theater gespielt. Sodann, ehemaliger Schauspieler und Theater-Intendant, steht oft selbst auf der Bühne.

Die 3500-Seelen-Gemeinde freut sich über die Bibliothek. "Das belebt unser Dorf", sagt Bürgermeister Frank Seifert. In manchen Wochen rollen gleich mehrere Reisebusse an. "Wir hoffen, dass es so weitergeht."

www.psb-staucha.de