Von Helmut Rohm

Dessau-Roßlau. Mit dem Schlussgesang "Wenn die rote Blume blüht ..." setzen auch der stürmische Beifall, das Füßetrampeln, Bravo- und Zugaberufe ein. Gestern Vormittag hatte im ausverkauften Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau das Märchen "Die feuerrote Blume" Premiere.

Diese spannende Dessauer Inszenierung von Jörg Steinberg erfüllt wahrhaft alle Prämissen, ein wunderbares Märchen genannt zu werden. Es spricht alle Sinne der vor allem jungen Premierengäste an – mit allem Drum und Dran, was Bühnentechnik, was Pyrotechnik, Licht, Ton und Musik leisten können (Ausstattung Tilo Steffens). Jan Kersjes schuf ein auf den Punkt genaues und stimmiges Musik-Geräusch-Szenario. Reales Leben verknüpft sich durch Wunder mit einer Traumwelt.

Die Zuschauer erleben Vaterliebe (Karl Thiele), die beiden streitsüchtigen Schwestern Kapa (Silke Wallstein) und Fissa (Christel Ortmann) sowie deren liebe kleine Schwester Aljonuschka (Eva-Marianne Berger), die gutmütige Amme Njana (Inka Arlt), später zur Taube verzaubert, sowie den fleißigen Knecht (Patrick Rupar). Vater und Knecht nehmen die Zuschauer mit auf eine stürmische Reise durch sehr effektvoll inszenierte Naturgewalten.

Später gelangen sie in einen dunkel-geheimnisvollen Zauberwald. Dort nämlich soll sich die feuerrote Blume befinden, die der Vater der jüngsten Tochter wunschgemäß mitbringen soll und möchte. Dort aber herrschen, in schaurig-schönen Kostümen und faszinierendem Spiel, die Hexe Babajaga (Antje Weber), der Waldschrat (Boris Malré) und der Geist Kikimora (Hans-Jürgen Müller-Hohensee).

Im Schloss bricht der Vater die Blume. Ein zunächst unsichtbares Ungeheurer verlangt als Strafe dessen Tod oder eine seiner Töchter für immer auf das geheimnisumwitterte Schloss. Aus reinem Herzen stimmt Aljonuschka zu. Ein weiterer "Beam"-Flug mit Krach, Nebel und Hexenengestank bringt sie ins Schloss. Sie verliebt sich nach und nach in das "hässliche Ungeheuer" – ohne Wenn und Aber. Da hat auch die böse Hexe ihre Macht verloren. Ein Kuss – wieder viel Aktion: Der einst verwunschene Prinz (Patrick Rupar) ist da.

Die Zuschauerschar tobt vor Freude. Ende gut, alles gut.