Magdeburg l "So" heißt das neue Programm von Olaf Schubert, mit dem der Anti-Held im charakteristischen Pullunder am Montagabend in der Magdeburger GETEC-Arena gastierte. Das kleine Wörtchen, in dem sich (rückwärts) die Anfangsbuchstaben seines Namens verstecken, zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm.

Angekündigt von Bert Stephan wie einst Henry Maske von Michael Buffer. So! Als Überbringer der Botschaft, als Retter in der Finsterni. So gerät das Publikum ins Tohuwabohu seiner herrlich verdrehten Gedanken und erfährt, dass das Hochwasser in Magdeburg zwar höher aber in Dresden früher war. Die ersten Lachsalven erwärmen die "lieblos überdachte Luft" und erfüllen die "schönste und nüchternste Turnhalle". Das Publikum kostet sie aus, die Zwerchfell massierenden Wortschöpfungen, eine obskurer als die nächste.

Punkt für Punkt arbeitet er seine "Konfliktagenda" ab und sinniert dabei über die kleinen und großen menschlichen Schwächen, führt sie ad absurdum, übertreibt maßlos oder lässt im Kopf des Zuhörers bewusst Grenzen überschreiten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn Olaf Schubert seine Kindergärtnerin als "beduttete Frau Hitler" tituliert. Die Themen sind weit gefächert, nahezu jeder bekommt einen Spiegel vorgehalten - von der gesunden Ernährung über Kinder, Steuern und Frauen, Straßenverkehr bis hin zur Bankenkrise. Lang und breit monologisiert der "Bundesolaf" über die Zubereitung von Müsli, karikiert pompöse Speisen-Namen, tauft die Bockwurst in "Senfpeitsche" um und fabuliert über die alltägliche "Bockwurst an Pappe". Am Ende wird die Wurst nicht gegessen, sondern "oral verklappt". Die Mango kommt aus der "Mangolei". Chancenlos, wer beim schrägen Lied vom Apfel kurz die Lach-Muskeln entspannen wollte.

Was passiert, wenn ein Land pleitegeht? Was sind Aufklärungsdrohnen? Wer befindet sich im "fiskalen Würgegriff"? Faszinierend, wie der Wortakrobat seiner Betroffenheit auch physisch Ausdruck verleiht und allen Ernstes eine Erklärung dafür findet, warum ausgerechnet die Armen sparen müssen: die Reichen haben schon gespart, denn sonst hätten sie ja nicht so viel.

Olaf Schubert spielt wirkungsvoll mit dem Überraschungseffekt, nutzt jede Situationskomik und verwertet auch die kleinsten Versprecher. So wird aus dem harmlosen Liebeslied "Madeleine" eine bitter-süße Persiflage auf den Schlager, und die gefühlten zwölf Castingshow-Kandidaten pro Woche "werden an der Studiotür geschreddert und zu Gewinnermulch veredelt". Ausführlich mahnt Schubert die Fernsehformate ab, bei "denen sich der Augapfel freiwillig kompostiert", ergötzt sich am Computerzeitalter, in dem jedes Büro "verappelt" ist und im fremden Account Olaf mit "ph" geschrieben wird, Codiermaschinen dechiffrieren und Jochen Barkas und Herr Stephan "verhuddeln" das Ende der "Struwwelgamer"-Ballade.

Der grandiose Comedy-Abend endet nach zweieinhalb Stunden mit einer Party und dem Satz: "Wir möchten nicht so lange machen im Land der Frühaufsteher." Die Magdeburger toben. Als der Mahner und Erinnerer ihnen auch noch eine Strophe im legendären "Ich bin bei euch" widmet, tragen sie ihn endgültig in ihrem Herzen.