Durch Quedlinburg und Wernigerode schwebt ab heute "Das kleine Gespenst" auf den Kinoleinwänden. Der Kinderbuchklassiker wurde im Sommer 2012 im Harz verfilmt. Gestern war Vorpremiere in Halberstadt. Das Statement der jungen Zuschauer: Wildes Gekicher und lauter Applaus.

Halberstadt l Ein Polizist steht inmitten einer Straßenkreuzung in Quedlinburg und regelt den Verkehr. Als plötzlich ein kleines schwarzes Gespenst aus dem Gullydeckel auftaucht, sich aufpustet und mit einem Sturm dem Wachmann die Kleidung vom Leib bläst. Alles zerissen und zerfleddert. Der Saal lacht. Es hat funktioniert. So wollte es Alain Gsponer. Er ist der Regisseur und hat mit dem Produzenten Jakob Claussen den Kinderbuchklassiker "Das kleine Gespenst" verfilmt.

"Es gibt bestimmte Stellen, an denen drehe ich mich um, sehe den jungen Zuschauern ins Gesicht und freue mich, wenn es funktioniert", sagt Jakob Claussen. Der Produzent war gestern bei der Vorpremiere in Halberstadt mit dabei. Hunderte Gäste, darunter viele Schulklassen aus dem Harz, lachten zum wiederholten Mal laut los, als der kleine Geist den Bürgermeister von "Eulenberg" erschreckt. Quedlinburg wurde für den Film zu Eulenberg und Schauspieler Uwe Ochsenknecht zum Bürgermeister.

"Da wohne ich", flüstert Noah Neuhaus während der Vorstellung seiner Platznachbarin ins Ohr. "Das ist Quedlinburg, aber das Rathaus gehört doch da gar nicht hin", antwortet Vivian Kaiser. Doch das ist egal. "Der Film war total cool", geben die beiden Achtjährigen synchron ihr Statement ab.

"Wir mussten ein bisschen schummeln", gibt Regisseur Gsponer zu. Und deswegen wanderte das Wernigeröder Rathaus in das 30 Kilometer entfernte Quedlinburg. Und an dem Haus hängt auch die Uhr, die steuert, wann das kleine Gespenst immer aufwacht. In einer waghalsigen Aktion müssen die drei Kinder-Hauptdarsteller Emily, Jonas und Nico die Zeiger verstellen - im Saal wird die Luft angehalten.

Für Gsponer war es der erste Kinderfilm. "Das hat eine ganz andere Nachhaltigkeit, so ein Film läuft immer wieder." Aber es brachte auch neue Herausforderungen mit sich: Die Kinder durften pro Tag nur drei Stunden am Set drehen - deswegen wurden mehr Drehtage eingeplant.

Und: Die jungen Schauspieler brauchten viel Phantasie. Sie mussten in den Szenen mit dem Geist mal mit einer Puppe, mal mit einem Ball sprechen. "Das Gespenst ist erst später am Computer entstanden", erklärt der Regisseur. Gespielt und gesprochen wird es von Anna Thalbach. Die Hörbuchsprecherin sei für Gsponer genau die richtige Wahl gewesen. "Ihre Stimme klingt mal männlich und mal weiblich - super für einen Geist." Begeistert war der Schweizer auch von den Drehorten im Harz: "Die Fachwerkhäuser, die Schlösser, alles hat gepasst."

 

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