Von Jörg Fischer

Völklingen (dpa). Der Comic-Gallier Asterix überlistete die römischen Legionäre ein ums andere Mal. Die alten Römer stellten die ihnen lange überlegenen Kelten (800 bis ca. 50 v. Chr.) als Barbaren dar, die nackt in den Kampf zogen. Mit dieser Vorstellung will eine große Kelten-Schau in Völklingen aufräumen. Sie sei die weltweit bisher größte Ausstellung dieser Art, sagen die Veranstalter.

"Die Kelten waren die erste große Hochkultur Europas, die jedoch keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben. Wir wollen zeigen, dass sie keineswegs "Barbaren" waren", erläutert der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig. Die Ausstellung "Die Kelten – Druiden.Fürsten.Krieger." dauert bis zum 22. Mai 2011.

Der Ort könnte kaum symbolträchtiger sein. Die Exponate werden auf gut 6000 Quadratmetern in der Gebläsehalle der Völklinger Hütte mit ihren mächtigen Hochöfen gezeigt. Diese lieferten im 19. Jahrhundert das Treibmittel der industriellen Revolution: Eisen. Und die Forscher haben viele Indizien dafür, dass auch Macht und Reichtum der Kelten wesentlich auf ihrer Kenntnis der Eisenverarbeitung basierten.

Erst schmiedeten sie Schwerter für ihre Kämpfer – in der kürzeren "Exportversion" auch für die Römer – später dann Hämmer, Schlüssel, Zangen oder Scheren. Das Eisen dafür produzierten die Kelten-Schmiede in heute primitiv anmutenden Öfen. In der Ausstellung ist ein Nachbau zu sehen: Er ist gerade mal 1,20 Meter hoch. Zum Vergleich: Die vor nicht einmal 25 Jahren stillgelegten Hochöfen der Völklinger Hütte ragen 28 Meter in den Himmel.

Der "Rennofen" steht im Ausstellungsteil "Das Leben der Kelten in der Eisenzeit". Hier soll der Alltag vor 2500 Jahren lebendig werden. Die Besucher können nachgeschmiedete Werkzeuge benutzen, Stoffe und Felle fühlen oder die Düfte der damaligen Zeit riechen. Ein nachgebautes Haus zeigt die Bautechnik der Kelten. Die meisten der insgesamt rund 1670 Exponate – Waffen, Werkzeuge, Goldschätze oder Haushaltsgeräte – stammen aus der Großregion zwischen dem heutigen Saarland, Rheinland-Pfalz, Frankreich, Belgien und Luxemburg.

Silberner Kessel für mythische Zwecke

Nach Forschungen verlagerte sich um 500 v. Chr. ein Zentrum keltischer Kultur von der Donau hierher. Zudem sind Leihgaben aus Museen in Kopenhagen, Berlin, London, Wien oder dem österreichischen Hallein zu sehen.

Schwerpunkt der Ausstellung ist die "La-Tène-Kultur" in der Großregion. "Das meiste, was wir wissen, wissen wir aus Funden", berichtet Grewenig. Ausgegraben wurden neben Siedlungen mit ihren Ringwällen vor allem Gebeine und Beigaben aus Gräbern. Die Kelten selbst, die griechische Buchstaben verwandten, haben aber keine Aufzeichnungen über ihr Leben hinterlassen.

Ein Highlight der Ausstellung ist ein 69 Zentimeter großer silberner Kessel, der in einem Moor nahe des dänischen Gundestrup gefunden wurde. Auch er diente den Druiden wahrscheinlich mythischen Zwecken.

Jahrhundertelang waren die wilden keltischen Krieger mit ihren gekalkten Haaren, langen Schwertern und gefürchteten Steinschleudern den Römern überlegen. Im Gallischen Krieg (ca. 58 bis 50 v. Chr.) gewannen schließlich die römischen Legionäre die Oberhand – das Ende der keltischen Kultur in Mitteleuropa. "Der Vorteil der Römer war ihre Disziplin. Die Kelten suchten den Kampf Mann gegen Mann", erklärt Grewenig.