Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Im November 2008 hatte eine Neuinszenierung von Mozarts Oper "Die Zauberflöte" am Theater Magdeburg Premiere. Die Inszenierung besorgte damals Holger Pototzki, und die musikalische Leitung hatte Alexander Steinitz. Nun wurde die Oper in dieser Spielzeit wiederaufgenommen in einer ganz neuen Besetzung und mit Kimbo Ishii-Eto am Pult. Es war am Freitag das Magdeburger Operndebüt des neuen GMD.

Große Oper steht auf der Partitur von Mozarts Zauberflöte, aber sie ist dies nicht ausschließlich. Die Zauberflöte ist auch ein Singspiel, ein Schauspiel mit Musik, und dieser Singspielcharakter entspricht auch der Art, wie Holger Pototzki seine Inszenierung angelegt hat. Hier wird eine Geschichte aus bürgerlichem Hause erzählt, in der es um Eltern und jugendliche Kinder geht, um Kränkungen und Belehrungen, um das Erwachsenwerden und die Prüfungen, die auf dem Weg dahin zu bestehen sind.

Zauberflöte eben, vielfach ironisch gebrochen im märchen-traumhaften Spiel um Symbole und menschliche Gefühle. Es geht um die Bewährungen der Jungen, und in Magdeburg ging es bei der Wiederaufnahme der Oper am vergangenen Freitag auch um die Bewährung junger Sänger. Die Geschichte wird bereits während der Ouvertüre auf der Bühne erzählt, und sie wird natürlich in der Ouvertüre erzählt.

Kimbo Ishii-Eto hat mit den Musikern der Magdeburgischen Philharmonie bereits alle Gestalten, die Mozart so genial musikalisch beschreibt, sehr plastisch und lebendig hervortreten lassen, kräftig, ja fordernd-energisch die drei Eröffnungsakkorde, flirrend-munter und gleichzeitig sehr präzise die Allegro-Fuge, klangschön die versöhnliche Choralmelodie. Dramatik und munteres Lied … für jedes der so verschiedenen musikalischen Elemente fand der Dirigent überzeugenden Ausdruck, und es gelang ihm, mit beweglichen, aber im ganzen frischen Tempi, die geniale Einheit aller widerstreitenden Figuren und Bilder erlebbar zu machen.

Auf der Bühne ist inzwischen der Sohn des Hauses Tamino nach ermüdendem Flötenspiel vor Papas und Mamas Abendgesellschaft eingeschlafen und erlebt beängstigende und verzauberte Träume.

Die Partie des Tamino wurde dem neuen noch ganz jungen Magdeburger Tenor Ilja Werger übertragen, für den dies auch ein Rollendebüt war. Er hatte sich stimmlich sehr gut vorbereitet und vermochte es, seinen hohen und leichten Tenor auch glänzen zu lassen. Aber dennoch war ihm die Anspannung anzumerken. Konzentriert auf die Stimmführung blieb er spielerisch steif. Dass er im Bildnis nun die Liebe seines Lebens gefunden haben will, hat er zwar schön gesungen und bekam auch ein wenig Szenenapplaus, zu sehen waren allerdings seine Gemütsbewegungen überhaupt nicht. Er fand auch nicht immer Zugang zu den dynamischen und Temponuancen, die aus dem relativ hochgefahrenen Orchestergraben klangen.

Auch Mario Solimene als Papageno war sängerisch achtbar, spielerisch etwas beweglicher, aber zwischen Bühne und Orchester hat es zu oft "geklappert", obwohl Ishii-Eto die ärgsten Ungenauigkeiten von der Bühne doch noch gerettet hat. Es dauerte, bis Bühne und Orchester wirklich zusammen musiziert haben, obwohl dennoch sowohl aus dem ausgezeichneten Orchester als auch von den Sängern auf der Bühne auch viel sehr Schönes zu hören und spielerisch zu sehen war. Die drei Damen etwa, Anita Bader, Undine Dreißig und Lucia Cervoni, gehörten dazu und auch die drei Knaben, Ariane Ernesti, Alexandra Broneske und Ilka Hesse, deren Ensembles wirklich knabenhaft klangen.

Sarastro, Albert Pesendorfer, fand nach anfänglichen Mühen doch zum ausdrucksvollen Bass, und Kammersängerin Ute Bachmaier beherrscht die Koloraturen der Königin der Nacht noch immer ohne Mühen.

Sehr gut auch Roland Fenes als Sprecher. Etwas mühsamer und spielerisch nicht überzeugend Markus Liske als Monostatos. Ihm hat freilich die Inszenierung auch keine sehr überzeugende Rolle zugedacht, zu wenig differenziert, hat dies dem Sänger auch nicht zu differenziertem Stimmausdruck inspiriert. Leider gelang der Papagena, der jungen Julie Martin du Theil, auch nicht alles so frisch, wie man es wünschen konnte.

Aber dennoch gab es Begeisterndes auch von der Bühne zu hören. Hale Soner hat als Pamina wirklich geglänzt, ausgezeichnet, hinreißend schön, mit atemberaubendem Glanz bis in die höchsten Spitzentöne hat sie alle anderen Sänger nicht nur in den Schatten gestellt, sondern einfach auch mit jeder kleineren oder auch größeren Misshelligkeit versöhnt. So bleibt ein Besuch dieser Magdeburger "Zauberflöte" schon allein deshalb ein großes Opernerlebnis, um sie als Pamina zu hören.