Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Das Kammerorchester der Magdeburgischen Philharmonie gibt traditionell am zweiten Weihnachtsfeiertag sein Weihnachtskonzert, das so beliebt ist, dass es in diesem Jahr sogar zweimal gespielt worden ist. Die Streicher des Orchesters, dessen musikalischer Leiter Konzertmeister Yoichi Yamashita ist, spielten in diesem Jahr unter der Stabführung der Estin Anu Tali.

Die Dirigentin, die schon mehrmals in Magdeburg gastierte, Sinfoniekonzerte leitete und einmal die Oper Carmen, hatte zur Eröffnung des Konzerts eine Komposition ihres Landsmannes Heino Eller mitgebracht, "Kodumaine viis" ("Heimatliche Klänge"). Das kurze Stück für Streichorchester bezaubert durch seinen romantischen Ausdruck, obgleich das wunderbar melodische Werk von Anu Tali gar nicht schwelgerisch gespielt worden ist. Die Dirigentin betonte die lebendigen Bewegungen des kleinen Werkes, die Frische und Farbigkeit, und die Musiker hatten hörbares Vergnügen beim Spiel. Einige energische Steigerungen gaben dieser Musik die rechte Würze, so dass vor allem der Eindruck fröhlicher Bewegtheit entstand, ein passender Auftakt für ein Weihnachtskonzert.

Es folgte Carl Philipp Emanuel Bachs Flötenkonzert d-Moll H 426, bei dem Thomas Kapun, Soloflötist der Magdeburgischen Philharmonie, als Solist zu erleben war. Anu Tali hat mit sehr frischen Tempi dirigiert und kräftige dynamische Akzente gesetzt. Das noch ganz im Sinne des Barock komponierte Werk zeichnet sich durch komplizierte und auch sehr heikle Parallelführungen von Soloflöte mit Soloviolinen und Solobratsche aus, wodurch ein ganz feines, besonderes Klangbild entsteht. Sehr schön, wie die Musiker konzentriert und in feiner Balance spielten. Besonders der abschließende dritte Satz Allegro di molto wirkte dann ausgesprochen mitreißend, und der ausgezeichnete Solist hatte Gelegenheit, virtuosen Glanz zu entfalten.

Es gab reichlich Applaus, so dass noch eine sehr berühmte Zugabe erklang. Thomas Kapun spielte mit dem Kammerorchester noch die beiden bekanntesten Flöten-Sätze von Vater Johann Sebastian Bach, Menuett und Badinerie aus der h-Moll-Suite Nr. 2 BWV 1067.

Tradition bei den Magdeburger Weihnachtskonzerten sind auch literarische Kostbarkeiten. Sigrid Hoelzke-Wittig und Peter Wittig verführten mit Weihnachtsgedichten und zwei fröhlichen, auch ein bisschen frechen Weihnachtsgeschichten in die ganz "alltägliche" Weihnachtszeit, wenn man etwa Zeuge davon werden konnte, wie der allerschönste Weihnachtsbaum aus dem Herrenkrugpark ausgegraben, geschmückt und dann wieder zum Weiterwachsen zurückgepflanzt wurde. Nachdenkenswert auch die Beobachtungen von Ochs und Esel aus dem Stall von Bethlehem, die aus himmlischen Höhen beobachten, was aus den Geburtstagsfeierlichkeiten in heutigen Einkaufszentren und Weihnachtsmärkten so geworden ist.

Bevor allerdings die Besucher im Saal ihr ganz persönliches Weihnachten mit dem traditionellen gemeinsamen Gesang begehen konnten, erklang noch Tschaikowskis berühmte Streicherserenade C-Dur op. 48. Das Werk lag der Dirigentin ganz besonders gut. Feinste Dynamik und großer Gesang waren hier zu erleben, und es gelang Anu Tali mit den Magdeburger Musikern eine sehr schwungvolle, wirklich romantische Interpretation, die niemals zu weich, niemals zu süß wurde, sondern mit schön differenziertem Ausdruck glänzte und die Zuhörer begeisterte.