Wenn Michael Kempchen in diesen schneereichen Tagen auf die Besucherzahlen des zu Ende gehenden Jahres blickt, hellt sich sein Gesicht merklich auf. "Das ist supererfolgreich", sagt der Intendant des Puppentheaters Magdeburg angesichts der Statistik. Die 50 000-Besucher-Marke wurde geknackt – Rekord in den vergangenen 13 Jahren.

Von Grit Warnat

Magdeburg. Schon im vergangenen Jahr hatte das Puppentheater 48 147 große und kleine Besucher begrüßen können und damit das beste Ergebnis der vergangenen zehn Jahre einfahren können.

Allein 7000 Gäste hatte das Internationale Figurentheaterfestival angelockt. 2010 legte das Haus – ohne dieses alle zwei Jahre stattfindende Festival – noch einen drauf und überschritt die 50 000er Marke.

Mehr als 20 000 Besucher waren Erwachsene – auch das ist eine neue Dimension. Kempchen: "Das haben wir noch nie gehabt." Die Auslastung lag bei 98 Prozent. Allein von Anfang Oktober bis Ende des Jahres waren die Veranstaltungen ausverkauft.

Der Intendant begründet dieses Ergebnis mit den Themen, die umgesetzt worden sind, und mit der künstlerischen Entwicklung des Teams. "Wir wollen mit Poesie Antworten auf die Fragen des Lebens geben", meint Kempchen. "Wir wollen Gegenpol sein zu all dem, was Kinder in der Gesellschaft erleben." Kempchen nennt als Beispiel das Auflösen traditioneller Familienstrukturen. Seit Jahren geht es dem Puppentheater um das Wachrufen von Emotionen – bei Kindern und immer stärker auch bei Erwachsenen. Kempchen nennt die erfolgreich laufenden Inszenierungen "Corpus Delicti", "Marleni", das diesjährige Weihnachtsmärchen "Frau Holle", "Reineke Fuchs. Eine Vergangenheitsbewältigung". Letzteres Stück ist für das 11. Deutsche Kinder- und Jugendtheater-Treffen nominiert worden. Die Kuratoren haben die Magdeburger Inszenierung "künstlerisch bemerkenswert und impulsgebend" bezeichnet. Deutschlandweit hatten sich Häuser mit 310 Inszenierungen beworben. Das Magdeburg-Stück gehört zu den 20 besten.

"Diese Nominierung steht für unsere künstlerische Entwicklung", sagt Kempchen und blickt auf den Februar, wenn "Richard III.", ein William-Shakespeare-Stück, auf der Puppentheater-Bühne Premiere haben wird. Vor einigen Jahren hätte das Theater diese schauspielerische Herausforderung noch nicht gewagt, sagt Frank Bernhardt, der künstlerische Leiter des Puppentheaters.

Er spricht von der gewachsenen Formensprache am Haus, nennt aber auch die Reihen, die man sich hat einfallen lassen – wie das "Setzei" oder die "Kulinarische Reise" – um ein neues Publikum ins Haus an der Warschauer Straße zu locken. "Dieses Konzept ist aufgegangen", resümiert er.

Zum Start ins neue Jahr wartet eine besondere Herausforderung auf das Ensemble. Am 1. Januar werden Puppenspieler im Gewandhaus Leipzig gastieren und das Neujahrskonzert des MDR-Sinfonieorchesters begleiten. Bernhardt: "Musikstücke werden von uns in Szene gesetzt. Wir sind natürlich sehr gespannt auf diesen Auftritt."Meinung