Mit stoischer Gleichmut ertrug der Magdeburger Dom vor seiner Haustür auch den zweiten Start der schrillen Szenerie zum Planeten Transsexual in der Galaxie Transsylvanien. Anlass war die Wiederaufnahme von Richard O`Brien`s "Rocky Horror Show" als Open-Air-Vorstellung.

Magdeburg l Leicht unterkühlt, wenngleich vor allem dem Wetter geschuldet, begann die fulminante Transvestiten-Show der dunklen Geheimnisse, des Glitters, der Farben, aber vor allem des Rock ´n´Roll, der das Publikum kaum auf den Plätzen hielt.

Für das Musical gibt es für die Zuschauer feste Regeln, mit denen sie das Geschehen begleiten. Dazu gehört entsprechende laszive Verkleidung, - etliche Herren in Strapsen waren ein Hingucker - laute Boring-Rufe zum Vertreiben des Erzählers, Reiswerfen bei Hochzeitsszenen oder Spritzen mit Wasserpistolen. Wer darauf nicht vorbereitet ist, für den hält das Theater Magdeburg gegen Entgelt Beutel mit passenden Utensilien bereit. Die Handlung ist nicht unwichtig, aber das Publikum wartet vor allem auf die großen Szenen mit den Hits, die jeder kennt und die singenden Stars.

Ex-"No Angel" fehlt Präsenz

Und da wird in der Inszenierung von Ulrich Wiggers niemand enttäuscht. Man hat sich neben den bewährten Sängern und Tänzern auch nach neuen Namen umgesehen. Lucy Diakovska, einst gefeiertes "No Angels"-Girl, ist in der Rolle der Magenta ein zugkräftiger Name. Im Bühnengeschehen vermisst man dann allerdings die erhoffte Präsenz.

Neu in der Besetzung der Janet Weiss ist ebenso Michèle Fichtner, die eine fundierte Musical-Ausbildung absolviert hat, sich in letzter Zeit aber vor allem im Fernsehen profilierte. Eine echte Entdeckung ist der angehende Verlobte Janets in der Rolle des Brad Majors, gesungen und gespielt von Jonas Hein, der schon mit 16 Jahren seine Musical-Ausbildung begann und über viel Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt. Das merkt man.

Dominik Hees hat als Frank´n´ Furter, der schrillen Transvestiten- und außerirdischen Schurkenfigur, schon im letzten Jahr die Herzen des Publikums im Sturm erobert. Das gilt ebenso für Christina Patten als Columbia und den motorradfahrenden Rocker Eddie alias Tobias Regner. Als Dr. Scott war Wolfgang Klose zwar neu in der Wiederaufnahme der "Rocky Horror Show", allerdings als Bassbariton des Magdeburger Theaterensembles bestens bekannt.

Mehr als nur Musik

Nicht wegzudenken aus diesem wie vorhergegangenen Musicals ist Peter Wittig, hier erneut als grandioser Erzähler. Es sind die vielen kleinen Gesten, die sein unglaubliches schauspielerisches und komödiantisches Können verraten. Und dass die Mitglieder der Magdeburgischen Philharmonie unter der Leitung von Sebastian de Domenico richtig rocken können, das stellten sie in einem Mix aus gespielter Musik und Konserve unter Beweis.

Regisseur Wiggers will die Geschichte der "Rocky Horror Show" erzählen, nicht nur die glamouröse Party inszenieren. Deshalb auch die szenische Darstellung des Abendmahl-Gemäldes von da Vinci. Dieses Musical bietet mehr als nur Musik, weshalb "Rocky2" mit Sicherheit erneut große Aufmerksamkeit finden wird.

Bis zum 12. Juli sind die Vorstellungen auf dem Domplatz jeweils mittwochs, donnerstags, freitags, sonnabends und sonntags zu sehen.